Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 08.01.2013 15:37 
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Meine Wut muss raus, und zwar sofort, ungebremst, laut, ungezügelt, mit Schimpfworten jedweder Art.
Allerdings komme ich nicht weit damit; denn (Reaktion meines Mannes):" Ich liebe dich, vor allem wenn du so wütend bist!"

:hallo3:


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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 08.01.2013 19:22 
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Boah, Füchsin - DAS würde meinen Zorn erst recht schüren....das dürfte niemand zu mir sagen bzw. das hat mal jemand gesagt, und es war so ziemlich sein letztes Nicht-Ernstnehmen mir gegenüber, dann war ich weg.
Aber du weißt vermutlich, wie du das einzuschätzen hast, wenn dein Mann das zu dir so sagt, denn du scheinst darüber zu schmunzeln.

Wilson fragte:
Zitat:
Mich interessiert die emotionale "Fortsetzung" nach dem Tsunami, das "Aufräumen im Aussen" ... das würde ich gern "verstehen" ...


Tja, liebe Base, seit gestern überleg ich, wie ich das aufschreiben kann....ich weiß auch nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin, das wüsstet Ihr natürlich - und jetzt stelle ich fest, dass das gar nicht der Fall ist. Ich wollte ja eigentlich nur einen schlichten Tipp zum Wutablassen posten.

Bei mir ist es so: wenn ich wütend bin, also voller Vorwürfe, Schuldzuschreibungen und vernichtender Gedanken über den anderen, "weiß" ich ja gleichzeitig, dass nix davon so stimmt - um beim letzten Anlass zu bleiben: mein Sohn ist weder (nur) undankbar noch faul noch undiszipliniert noch pflichtvergessen, seine ehemalige Sucht und seine jetzt festgestellte Depressionsneigung nicht seine "Schuld". Wenn er sich aber mal verhält wie damals, flippe ich sehr schnell aus....es erinnert mich nicht nur an die harte Zeit mit ihm, sondern auch an meine Kindheit, die ja bereits von Sucht und Depression regiert wurde.
Solange mich die Wut beutelt, kann ich das aber alles nicht sehen.
NACH dem Tsunami kann ich mir meine Gefühle aber angucken/anfühlen....und stelle fest, dass meine Wut nur Gefühle verdeckt, die viel schmerzhafter sind als Wut: Schuld, Scham, Ohnmacht zB.
Dann fühle ich erstmal die, meistens weine ich dann heftig. Denn all das ist in mir, das hat mein Sohn nicht erzeugt.
Als mir mir letztens ein Kronleuchter aufging, nämlich dass ich alles getan habe, um meinen Sohn vor Schäden zu bewahren und gleichzeitig diesen Sucht- und Depressionsscheiß aus einem Leben rauszukriegen und genau beides wieder im Leben drin hab...schrie alles in mir: Das ist nicht fair! Das ist ungerecht! der ist so undankbar, ich fühl mich sooo betrogen!!! - bin ich schier ausgeflippt vor Wut....dann habe ich heftig geweint....dann habe ich festgestellt, dass meine Bedürfnisse nach Wirkmächtigkeit, Leichtigkeit, Fairness, Erholung, Unkompliziertheit, Gerechtigkeit und Frieden nicht befriedigt wurden und werden.
Und bei mir ist es so: wenn ich meine Gefühle wirklich feststelle und auch die zugrunde liegenden unbefriedigten Bedürfnisse, geht es mir besser...ich spür die Erleichterung z.B. in den Schultern, richtig körperlich. Dafür ist nicht wichtig, dass das Leben plötzlich gerecht und fair wird - ich habe herausgefunden, was ich betrauere.

So war das jetzt neulich, aber mein Sohn und ich stehen öfter mal streitend miteinander hochkant...und bevor ich Sachen sage, die ihn wirklich verletzen, geh ich in mein Zimmer und schau mir das an (Wut, Trauer, Gefühle, Bedürfnisse -> Klarheit)

Dann bin ich wieder klar und ohne Vorwurf gegen den Sohn, kann zu ihm gehen und ihn fragen, ob wir jetzt mal schauen können, was da los war; weil er mein Loslassen und die vorwurfslose, nicht mehr angespannte Stimmung wahrnimmt, reagiert er dann meistens positiv. Ich kann ihm dann erzählen, was HINTER meinem Zanken/Meckern/Schimpfen steckte und ihm sagen, was ich mir anders wünsche. Meistens reagiert er mit viel Verständnis und erzählt, wie er sich gefühlt hat und was in ihm los war... und dann sind wir wieder okay miteinander und freuen uns, wie wir das immer wieder hinbekommen.
Und ich bin froh, dass ich ihm meinen höchstpersönlichen Seelenmüll nicht mehr über den Kopf schütten muss und als von ihm erzeugt darstellen.
Aber an Anfang steht bei mir die Entlastung von der Wut....was ich da alles sage, hilft mir, herauszufinden, was ich fühle und brauche.
.
Ufff....kommt mir alles recht wirr vor,aber besser krieg ich es momentan nicht hin... :boys_0137:

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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 08.01.2013 20:29 
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Liebe BV,
ich habe das Gefühl, dass du sehr verantwortungsvoll mit deiner Wut umgehst ...
BlaueVase hat geschrieben:
... Und ich bin froh, dass ich ihm meinen höchstpersönlichen Seelenmüll nicht mehr über den Kopf schütten muss und als von ihm erzeugt darstellen ...

... und das ist für mich der wichtigste Punkt - niemand soll mein permanenter Seelenmülleimer sein müssen! :01 good

:l_hug:

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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 08.01.2013 21:11 
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Blaue Vase, ja, ich muss dann lachen und meine ganze Wut ist plötzlich weg!
Ich begreif dann, dass das Leben viel zu wertvoll ist, als es mit Wut zu vergeuden.


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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 09.01.2013 01:07 
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Füchsin hat geschrieben:
Blaue Vase, ja, ich muss dann lachen und meine ganze Wut ist plötzlich weg!
Ich begreif dann, dass das Leben viel zu wertvoll ist, als es mit Wut zu vergeuden.


Wut, in der man um-sich-schlagend stecken bleibt, weil man dieser Wut nicht hinter die Kulissen sieht: ja, das sehe ich auch als vergeudete Zeit, man fühlt sich auch immer wieder aus denselben Gründen wütend, kommt nicht weiter und verletzt vermutlich noch andere.
So, wie ich meinen Umgang mit Wut beschrieben habe, ist sie für mich ein Weg zum Frieden und für mich keine vergeudete Zeit, sondern genutzte.

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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 10.01.2013 20:40 
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Herzlichen Dank, liebe Base Vase, für Deine ausführliche Beschreibung und die Einblicke, den Blick "hinter die Kulissen".

Das ist sehr verstehbar und vor allem sehr wertvoll für mich, da ich bislang immer Wutausbrüche erlebt habe nach denen im Anschluss "drübergewischt" wurde und keine Klärung im Aussen stattfand. Das habe ich stets als sehr schmerzhaft und unbefriedigend empfunden, in Folge dessen sich sehr viel bei mir aufgestaut hat, weil der Wutausbruch stets ungeklärt zwischen mir und dem "Wüterich" stand.

Ich habe das Gefühl, dass Du einen sehr harmonischen Weg für Dich gefunden hast, um wieder in den Frieden zu kommen (im Innen und im Aussen).

Nochmals Danke 01:rainbow

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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 10.01.2013 21:27 
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Es freut mich, dass du mit meinem etwas wirren Text was anfangen konntest; an manchen Tagen kann ich einfach nicht "druckreif" und muss mich darauf verlassen, dass das Richtige schon überkommen wird, wenn ich richtig ehrlich bin und keine falschen Töne drin sind.

Zitat:
da ich bislang immer Wutausbrüche erlebt habe nach denen im Anschluss "drübergewischt" wurde und keine Klärung im Aussen stattfand. Das habe ich stets als sehr schmerzhaft und unbefriedigend empfunden, in Folge dessen sich sehr viel bei mir aufgestaut hat, weil der Wutausbruch stets ungeklärt zwischen mir und dem "Wüterich" stand.


Da sagst du was! Ich las neulich, dass diese Versöhnerei, auf die alle so viel Wert zu legen scheinen, keine gute Sache ist und oft nur ein Zeichen von Resignation, Erschöpfung oder Angst- weil man da lediglich das Streiten einstellt, aber der Anlass des Streites ja nach wie vor besteht und in absehbarer Zeit zu einem neuen Streit führen wird.
Schwamm drüber geht nur, wenn wirklich NICHTS mehr auf dem Tisch ist!

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 Betreff des Beitrags: Re: WUT
Ungelesener BeitragVerfasst: 10.01.2013 21:43 
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BlaueVase hat geschrieben:
Zitat:
da ich bislang immer Wutausbrüche erlebt habe nach denen im Anschluss "drübergewischt" wurde und keine Klärung im Aussen stattfand. Das habe ich stets als sehr schmerzhaft und unbefriedigend empfunden, in Folge dessen sich sehr viel bei mir aufgestaut hat, weil der Wutausbruch stets ungeklärt zwischen mir und dem "Wüterich" stand.


Ich las neulich, dass diese Versöhnerei, auf die alle so viel Wert zu legen scheinen, keine gute Sache ist und oft nur ein Zeichen von Resignation, Erschöpfung oder Angst- weil man da lediglich das Streiten einstellt, aber der Anlass des Streites ja nach wie vor besteht und in absehbarer Zeit zu einem neuen Streit führen wird.
Schwamm drüber geht nur, wenn wirklich NICHTS mehr auf dem Tisch ist!


... ich sehe das ähnlich.

Mir kommt diese "Drüberwischerei" ("Schein-Versöhnungen") vor wie Make-up, das zum xten Mal aufs Gesicht gepudert wird ohne sich vorher abzuschminken. Irgendwann fängt alles darunter an zu arbeiten, gibt Pusteln und juckt. Und dann kommt der Tag an dem man sich "kratzt" ... Bild

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