Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Alter und Grenzen des Alleinseins
Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 09:42 
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Ihr Lieben,

seit einigen Tagen gehe ich schon mit diesem Thema 'schwanger' und ich wünsche mir, Sichten zu hören von Menschen, die eben nicht mitbetroffen sind.
Ich habe Sorge, mein blinder Fleck als "Tochter" lässt mich manches nicht sehen. Oder,dass ich falsch handle, zu spät handele ... oder, oder, oder ...

Der Anlass:
Ich stehe seit gut zwei Jahren meiner Mutter in ihrem Wunsch zur Seite, in ihrem eigenen Häuschen alleine leben zu können.
Sie ist 80 Jahre alt, durch viele Thrombosen und Embolien, Darmkrebs usw. usw. schwer eingeschränkt. Altersgemäß kommt auch eine demenzielle Veränderung hinzu, so dass sie mehr in der Vergangenheit als im Jetzt lebt und auch spricht, das Kurzzeitgedächtnis stark eingeschränkt ist.
Meine Art der 'Betreuung' war bis jetzt leistbar, da sie noch allein in Dingen wie Körperpflege, Haushalt (in ihrem Möglichkeiten und ihren (!!!) Ansprüchen, die längst nicht mehr meinen entsprechen), Essen zubereiten recht fit war.
So weit, so gut.

Seit einigen Tagen nehme ich wahr, dass sie sich kaum noch warme Mahlzeiten zubereitet, sich einseitig ernährt und auch sonst wenig Elan (bitte nicht falsch verstehen, ich erwarte von einer 80Jährigen kein Bäume ausreißen) spürbar ist.

Meine Fragen, mit der ich derzeit hadere ist:
- Wie lange kann, muss, darf ich zusehen?
- Wie kann ich handeln ohne übergriffig zu werden?
- Ab wann muss ich massiv eingreifen?
- Sehe ich als Tochter da noch klar?

Puuuuuuuuuuuuuh ... und danke fürs zulesen.

Aurelia


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 Betreff des Beitrags: Re: Alter und Grenzen des Alleinseins
Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 10:15 
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Liebe Aurelia, ich finde deine geschilderten Unterstützungen bewundernswert und finde, du siehst es sehr klar.

Da ich keine Kontakt zu meiner Mutter habe, kann ich nur mutmaßen, was ich an deiner Stelle täte.
Ich sehe das Betreuen von älteren Menschen ähnlich, wie die (Begleitung) Erziehung von Kindern - aber rückwärts. Was bei Kindern ein allmähliches Verantwortung loslassen und in die Freiheit entlassen ist, muss im Alter, wenn die Selbstverantwortung tatsächlich durch Demenz oder ähnliche Alterserscheinungen sinkt, in umgekehrter Richtung laufen. Das heißt dann u.U. dass man über den Kopf der Eltern eine Entscheidung treffen muss.

Immer mit Respekt und Wertschätzung, soviel Freiheit wie möglich aber auch soviel Grenzen wie nötig, immer in Relation zum eigenen Leben, welches gelebt werden will.

Niemand macht Vorwürfe, wenn Kinder in den Kindergarten oder eine Hortbetreuung gegeben werden, um den eigenen Unterhalt und das eigene Leben zu sichern. Wenn deine Mutter sich auf längere Zeit nicht mehr verantwortlich versorgt und du die Betreuung nicht selbst leisten kannst in vollem Umfang, ist es ein verantwortungsvoller Schritt, für eine Tagespflege zu sorgen, ihr Essen liefern zu lassen oder was auch immer dich entlastet - auch damit du Zeiten, die du stressfrei erübrigen kannst, voll als Tochter für sie da sein kannst, ohne mit blöden Gedanken belastet zu sein.

Vor zwei Jahren konnte sie es noch, und ich finde es richtig, dass du sie unterstützt hast. Aber genauso schnell, wie sich manchmal Kinder nach vorne entwickeln, kann es im Alter in die andere Richtung gehen, also müssen die Maßnahmen eben angepasst werden.

Aus meiner Sicht ist alles richtig und notwendig, was dich selbst bei aller Fürsorge soweit entlastet, dass sich der Hauptteil deines Lebens um dich und das dreht, was für den Rest DEINES Lebens ausschlaggebend ist.

Ist sie denn deinen Argumenten gegenüber zugänglich oder wehrt sie deine Beobachtungen und Sorge ab? Kannst du mit ihr darüber sprechen? Kann sie dir sagen, was ihr heute fehlt, um etwas mehr "Energie" zu entwickeln?
Vllt. hat sie ja ein schlechtes Gewissen, weil sie weiß, was du getan hast und sich nicht traut, jetzt eine Pflege haben zu wollen?
Ich würde nicht warten, sondern handeln und damit anfangen, einen Weg zu suchen, damit du nicht erst in eine Situation kommst, in der du den Großteil des Tages mit den Gedanken um deine Mutter befasst bist.

Herzliche Gedanken


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 10:49 
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Liebe Eamane,

hab vielen Dank für Deine Betrachtungen.

Ja - das mit der "Erziehung rückwärts" ist ein sehr schönes Bild und ich habe (oft schmerzlich) in den letzten zwei Jahren sehr viel lernen müssen/dürfen.
Nämlich, dass alte Menschen eine ganz andere Art haben NEIN zu sagen. Oder dass Frauen dieser Generation absolute Schwierigkeiten mit Entscheidungen haben. Oder, dass sie wie ein Kind aufrührte, wenn ihr etwas nicht passte.

Zu Deiner Frage, nein - sie ist solchen Gesprächen nicht zugängig. Ich lasse da aber nicht locker. Sie 'flunkert' mir immer irgendwas vor. Gestern z.B., dass sie sich Bratwurst und Pommes gemacht hätte. Stimmt natürlich nicht. Ihr Problem beim flunkern ist, dass es heute nicht mehr so wie früher klappt, da ihre Flunkergebäude dadurch wacklig sind, dass das Kurzzeitgedächtnis heute nicht mehr genau weiß, was gestern war.
Sie nimmt (noch) keine fremde Hilfe an. Ein absoluter Graus für sie fremde Menschen im Haus.
Es hat mich schon jede Menge Überredungskraft gekostet, sie zur Fußpflege bringen "zu dürfen".

Zu Deinem Hinweis früh genug zu intervenieren, bevor es zu großen Raum einnimmt. Danke. Ja - deshalb schaue ich auch ganz genau hin. Und ich bin auch mit Mutter da sehr beharrlich.

Sie hat das Angebot hier bei uns leben zu dürfen. Allerdings insoweit eingeschränkt, als ich keine Pflege leisten kann. Sollte dieser Fall eintreten, wird eine Pflege 'eingekauft'.
Dieses Angebot kann und will sie derzeit (noch) nicht annehmen. Diese Frau lebt seit nunmehr 80 Jahren in ihrem Haus. Und sie ist die letzte der gesamten Familie, die nun noch darin wohnt.

Vieles bei ihr verstehe ich - auch die emotionalen Verbundenheiten usw. - viele kann ich jedoch nicht mittragen. Und da gilt es auszuloten.
Und das ist total schwierig. Erziehung rückwärts - ja - ein wunderschönes Bild. Das schwierige an dieser Rückwärtserziehung ist, dass da ein Mensch ist, die mal 'meine Mutter' war und wir sozusagen jetzt im Rollentausch sind. Manchmal. Und ich sie dennoch als erwachsene Person respektiere, die ihr Leben auf ihre Weise gelebt hat. Und ich wünsche mir auch sehr in dieser respektvollen Weise im Alter behandelt zu werden.

Ein schwieriges Thema. Danke, dass Du mir Deine Gedanken dazu geschenkt hast.

Herzlich. Aurelia.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 11:52 
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Hallo,

meine Schwiegermutter ist 91 Jahre.
Letztes Jahr hatten wir das Problem mit der Hygiene, baden, duschen, frische Wäsche.

Als Schwiegertochter habe ich mit meiner Schwägerin, die leider nur alle 4 Wochen auftaucht, ein längeres Gespräch gehabt. Und siehe da, es klappt ganz gut.

Die Haushaltshilfe kommt alle 14 Tage, das Essen kommt alle 2 Tage von der Verwandtschaft die im Ort lebt und den Garten macht sie alleine.

Ich werd sehen, wenn ich am Freitag hinfahre, wie es nun ist. Möglicherweise muss meine Schwägerin da noch einiges richten!

_________________
Grüßle von der Sodalith


Liebe setzt Energien frei, von denen man gar nicht wusste, dass man sie besitzt!


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 13:17 
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Gedanken teilen können, ist etwas sehr schönes und für beide Seiten bereichernd - meine Meinung. Daher: gerne doch!

Zitat:

dass da ein Mensch ist, die mal 'meine Mutter' war und wir sozusagen jetzt im Rollentausch sind.



Das ist wieder eine der Aufgaben, finde ich, die wir in dieser heutigen Zeit neu lernen müssen, denn unsere Vorfahren wurden selten so alt, dass sie so lange in einem "pflegebedürftigen"Zustand leben konnten (oder mussten???).
Der Rollentausch, den du beschreibst, wurde uns von niemandem vorgelebt (ebensowenig, wie die "neue" Erzeihung für unsere Kinder), wir müssen es emontional und ganz praktisch neu erfinden. Es ist doch an sich etwas völlig natürliches und vllt. ein notwendiger Schritt für unsere heutige Entwicklung zum freien selbstbestimmten Menschen.

Aber ich denke, es sollte uns möglich sein die Kind-Rolle loszulassen und als erwachsener Mensch für einen anderen Menschen zu sorgen, der eingeschränkt ist. Ebenso ist es ja auch nötig, irgendwann die eigenen Kinder als erwachsene Menschen mit eigenen Entscheidungen zu akzeptieren - auch wenn man es sich selbst anders gewünscht hätte. Und auch da ist man oft gefangen in dem Zwiespalt Mutter sein zu wollen und gleichzeitig ein gleichberechtigtes, selbstbewusstes Handeln beim Kind angestrebt zu haben.

Wenn ich so die Entwicklung meiner Tochter betrachte, und dann mal weiterspinne...
ich hoffe, dass sie später ganz selbstverständlich ihre Entscheidungen trifft, die ein gutes Leben für sie möglich machen, ohne mich ganz auszublenden.
Ich lasse es z.B. heute auch zu, wenn ich mal krank bin, dass sie mir sagen darf: So, du legst dich jetzt hin und ich bringe dir einen Kaffee!" , gerade dann, wenn ich mal so dumm bin und wieder mal über mein Limit zu gehen drohe.
Mein Wunsch ist es, dass sie im jetzigen erwachsen werden mich in meinen mehreren Rollen sieht; liebevolle oder auch "eisenharte" Mutter, selbstständige Frau, Ehefrau, im Beruf (verschiedene) - und dass ihr bewusst wird, dass diese Rollen ihre Wertigkeit wechseln können und dürfen. Dadurch wird ihr es später, wie ich hoffe, leichter fallen evtl. für mich etwas zu entscheiden, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben - weil ich ja "ihre Mutter" bin (und somit höherstehend????? emotional empfunden, meine ich)

Gibt es etwas, was du von deiner Mutter als ihre Tochter noch bekommen wollen würdest, was nur sie dir geben könnte? Irgendeinen Grund, wegen dem du in jeder Situation Tochter bleiben müsstest? - ich denke nicht, so wie du es beschreibst sonst.
Ich glaube, dieser Wechsel und zu lernen, wie man damit gut umgeht ist einfach und schlicht etwas, das in unseren Entwicklungsweg als Mensch heute gehört.

Alles Liebe


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 18:42 
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Liebe Eamane,

ja ... diese "traditionellen Rollenbilder".

Für mich bedeutet es absolut kein Problem 'für sie' zu entscheiden. Da habe ich mich mit meinen Mutter-Tochter-Dingern schon recht gut sortiert. Na - manchesmal erwischen sie mich noch 'kalt' ... wie zuletzt im Konfliktfall ZZL.

Von ihrer Seite ist es schwieriger. Sie geht dann in ihr trotziges, aufmüpfiges Kind-Ich. Und es ist schwer, das dann auszuhalten (als Tochter) nicht als Entscheiderin.
Eine Mutter zu erleben, die wie ein kleines Kind um sich schlägt (verbal, sie wird dann unverschämt und ungerecht) boah ... das war beim ersten Mal heftig.

Doch, ich habe gelernt daraus. Ich entscheide nur noch bei einem klaren 'ja'. Ich nehme aber wahr, dass sie, die lebenslang einem Mann untertan war, der die absolute Führungsposition innehatte, kaum zu klaren und verbindlichen Absprachen fähig ist. Sie spielt dann mit mir das Spiel, dass sie mit ihrem Mann ein Leben lang gespielt hat. Sie geht dann 'hintenherum' ... nur durchblicke ich es, wie oben erwähnt.

Ich könnte da recht lustige Geschichten (ja, heute mit Abstand kann ich drüber lachen) erzählen.

Und genau wie Du es sagst, liebe Eamane - Erziehung ist ein lebenslanges Thema. So reflektiert, wie ich ab der Pubertät mit meiner Tochter umgehen konnte (als sie klein war lebte ich auch noch in vorgefestigten Rollenbildern), genau so muss ich es jetzt in der 'Zusammenarbeit' mit der Mutter sein.

Ja ... ich mache mir Gedanken, wie es werden wird ... in den Zwischenräumen, wo sie noch bedingt 'denken' kann und noch nicht 'für sich' entscheiden lassen will. Argumentationen ist sie da schlecht zugänglich (siehe oben) und Popo versohlen ist nicht meine Methode :D obwohl ich sie schon manchesmal am liebsten an die Wand geklatscht hätte.

Ich empfinde es sehr hilfreich, mich hier austauschen zu können. Ja - wir leben in einer anderen Generation ohne Vorbilder diesbezüglich und können nur vorleben, was wir uns später mal wünschen.

Dieser Austausch stärkt mich sehr. Danke.
Herzlich. Aurelia.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 18:44 
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Liebe Sodalith,

ich finde es sehr schön, wie Du sogar Deiner Schwiegermutter zur Seite stehen kannst und Deine Schwäger/innen unterstützt.

Setzt Du Dich dann mit Deiner Schwiegermutter auseinander oder mit ihren Kindern? Bei Themen wie damals mit der Körperpflege? Das habe ich im Posting nicht ganz verstanden.

Liebe Grüße
Aurelia.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 19:45 
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Liebe Aurelia

schwierig ist das Thema auf alle Fälle, da sehr persönlich.
Mutig finde ich, dass du dir hier Hilfe holst, denn dass ist oft noch ein Tabuthema.

Da ich selber aus der "gekauften" Pflege komme, habe ich da so manche Einblicke.
Ob es da nun um Eltern geht oder Lebenspartner, so wie du schon beschrieben hast, eine schwierige Aufgabe die bedürftige Person und das eigene Verhältniss zu ihr neu zu definieren.

Erstrebenswert finde ich es, wenn schon jahre vorher über solche Situationen gesprochen werden kann. Mit meiner Mutter kann ich das noch ganz gut, aber sie ist noch nicht so alt (70) und sie hat schon klare Vorstellungen.

Bei meinem Vater, der mit seiner 2. Frau zusammen lebt, bekomme ich eine sehr negative Variante mit.
Meine Stiefmutter hat größere Verantwortung abgegeben, da ihre Mutter sie total fertig macht. Inwieweit sie dement ist weiß ich nicht, aber sie ist seit einiger Zeit blind und verdächtigt alle sie zu betrügen. Hat zu niemanden vertrauen und hat schon alle Pflegedienste in der Umgebung durch.Keiner mag gerne hin. Meine Stiefmutter leidet sehr darunter und schafft es nicht loszulassen mit den Worten: sie ist doch meine Mutter.
Mein Vater und ich können da auch kaum Trost geben, denn da muss sie gefühlsmäßig selber durch. Leider ist sie zu weich und schafft die Abgrenzung und Eigenliebe nicht.

Ob es dir hilft? Hoffe ich habe dich nicht zu sehr verschreckt damit.

Aber bei dir hört es sich zumindest gut an, dass du sehr wachsam bist was deine Bedürfnisse angeht.

Ich bin sicher aus beruflichen Gründen etwas abgestumpfter.

Schicke dir Kraft für weitere Entscheidungen

LG
Mone


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 20:36 
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Liebe Mone,

danke für Einblicke in Dein Umfeld, aber auch Deine Wahrnehmung als 'professionell Helfende'.

Du hast Recht, es gilt sich für jede neu auftauchende Situation neu zu definieren. Und ich scheue mich da in keinster Weise mir Hilfe zu suchen. Ich quatsche den Arzt an, rede mit den Schwester der Sozialstation, habe den Sozialdienst konsultiert als sie in der Reha war nach einem Schlaganfall und, und, und ...

Was von Anfang an fest stand, war, dass ich niemals "Pflege" leisten kann. Mein Körper setzt da die Grenze. Und darüber zu gehen, wird böse bestraft. Nein. Das tue ich nicht. Ich kann ihr einen "Heimplatz" in der Familie anbieten, falls es mal dazu kommt, aber nur mit gekauften Pflegekräften.

Schwierig finde ich die Gratwanderung von "lassen" zu "eingreifen". Da ich mich hier austauschen kann, wird mir im schreiben deutlich, dass ich da nur auf meine Intuition hören kann. Mir Rückmeldungen von Personen einholen will, um meinen blinden Fleck abzudecken. Doch die Letztentscheidung liegt bei mir.

Und genau auf diesem Grat wandere ich jetzt, beobachte akribisch und höre mich um bei Menschen, die sie kennen.

Was genau einmal sein wird - das weiß ich nicht. Doch das muss ich heute auch noch nicht wissen. DANN wird der Zeitpunkt der Richtige sein um mit den Gegebenheiten umzugehen. Das "Dann" kann morgen sein, kann in drei Jahren sein. Wer weiß das schon.

Lieben Dank auch Dir, Mone.
Herzlich. Aurelia.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2009 21:17 
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Liebe Aurelia,

ich möchte dir ein wenig aus meinem "Erfahrungsschatz" mit einer dementen Oma überlassen.

Ich finde es prima, dass du bereit bist, dich bei der Pflege unterstützen zu lassen.

Essen auf Rädern, ein ambulanter Pflegedienst ein "Seniorennachmittag" bei der Caritas - das sind nicht nur praktische sondern vor allem emotionale "Pausen". Als Kind oder Enkel wird man in einigen Fällen verzweifelt vor einer rebellierenden, "kindlich-trotzigen" Person stehen und sich denken "..aber sie ist doch meine..., ich kann sie doch jetzt nicht..." Eine Pflegekraft sieht die Patientin vor sich und hat den emotionalen Abstand (bitte nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit!), freundlich aber konsequent die von Mama/Oma unerwünschten aber erforderlichen Tätigkeiten (Körperpflege, Ernährung, ...) durch zu ziehen. Als Angehöriger fällt es einem sehr schwer - bis man dann möglicherweise irgendwann "platzt" und grober als nötig reagiert.

Ich empfehle dir, so früh wie möglich mit deiner Mutter zu besprechen, welche Unterstützung von außen sie ab welcher persönlichen Einschränkung (körperlich und geistig) anzunehmen bereit ist. Lass es dir nach Möglichkeit schriftlich geben. Und so krass es klingt: sobald "das Misstrauen" einsetzt, sollte ein "Fremder" (Pflegedienst, Zivi,...) da sein, den man im Bedarfsfall "austauschen" kann. Irgendwann kommen viele Demenzkranke zum "berechtigten" Verdacht, dass man sie betrügt, bestiehlt, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht - denn man könnte sich doch daran erinnern, wenn man s e l b s t den Schmuck in die Kommode geräumt oder die Geldbörse in den Schrank gelegt oder die Aktien von 1963, die gestern(!) noch da waren, verkauft hätte. Das Problem solcher "betrügerischer" Erinnerungslücken mag nicht jeden treffen, aber wenn es kommt und man als Angehöriger "in Verdacht" gerät, dann besteht die Gefahr, dass der Demenzkranke genau die Menschen, die nur sein Wohlergehen wünschen, rausschmeißt und nie wieder sehen will.

Ich wünsche dir einen guten Draht zu deiner Mutter und ein feines Gespür, wann sie welche Untersützung von außen braucht - und das geschickte Händchen, ihr diese in einem zugänglichen Moment zu präsentieren, so dass sie sie annehmen kann.

Liebe Grüße


Zuletzt geändert von lindenbaum am 07.11.2009 23:17, insgesamt 1-mal geändert.

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