Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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Ungelesener BeitragVerfasst: 27.09.2009 09:27 
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Ja, liebe Teresa,

das ist der wichtigste Schritt, dass du ganz innen spürst, dass es nicht deine "Schuld" war.

Aber nun erzähle ich meine Geschichte.

Meine Eltern haben sich auch dauernd gestritten. Ganz fürchterlich. Meine Mutter, eine emanzipierte Frau, war mit der Mutterrolle, die sie nun ausschließlich spielte, als ich zur Welt kam, nie zufrieden und es kam immer wieder zum Krach. Mein Vater fand es eher gut, dass sie nicht arbeitete, es hätte ja so aussehen können, als wenn er nicht genug verdient hätte und meine Oma (seine Mutter) war in dieser Hinsicht unerbittlich gegen ihn.

Meine Mutter wurde mit uns Kindern nicht fertig, weil sie keinen Zugang zu uns hatte (ich habe eine ältere Schwester). Selbst bei Kleinigkeiten bekamen wir einen Klapps oder gar eine ganze Tracht Prügel. Noch viel schlimmer, wenn sie selber es nicht "konnte" mußte mein Vater uns versohlen, wenn er von der Arbeit nach hause kam. Das machte er mit einem Stock, er zerrte uns dazu in einen Kellerraum, damit niemand das Schreien hören konnte.

Natürlich dachte auch ich, dass ich nicht gut genug wäre, dass er mich lieben könne, ohne zu schlagen.

Mit 14 drohte ich indirekt, zum Arzt zu gehen. Ich hatte mir zum ersten Mal die Spuren im Spiegel angesehen, dicke blaue Striemen auf Rücken und Po. Er schlug uns nie an potentiell sichtbaren Stellen. Da hörte es auf. Ich hatte meinem Tagebuch anvertraut: "ich will, dass es aufhört. Passiert es nochmal, gehe ich zum Arzt. Ich liebe sie nicht mehr, wenn sie mich schlagen, wenn sie das meinen, sind sie auf dem Holzweg". Meine Mutter las das Tagebuch und hat mich voller Verachtung angeschrien. Es kam auch, was für ein schlechtes Kind ich sei, in der Bibel stünde schon, Kinder sollten Vater und Mutter ehren und ich würde es nicht tun. trotzig schrie ich zurück, dass es schon dumm sei, dass da nicht drin stünde, dass es auch umgekehrt sein müsse.

Heute spreche ich mit meinem Vater in liebevoller Pflicht. Meine Eltern waren die besten Großeltern, die man sich vorstellen konnte, meine Mutter ist inzwischen tot.

Wir sprechen über allgemeine Themen und meine Schwester und ich sorgen uns darum, dass er seinen Alltag besser gestemmt bekommt, er ist inzwischen 86 aber noch ziemlich fit, trotzdem fallen mal Arztbesuche an. Es ist ein distanziertes Verhältnis, aber es ist eben doch Liebe darin. Man liebt seine Eltern, dagegen kann man wenig machen, und man wird immer damit hadern, wenn die Liebe nicht erwidert wird oder wurde bzw. nicht so, wie es gut wäre.

In den Zeiten, in denen ich studierte, habe ich von meinen Eltern "genutzt", was mir eine "gute" Ausbildung gab. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie in dieser Hinsicht viel in mich investiert haben. Da ich nicht das Vertrauen hatte, einen Mann zu finden, bei dem ich wirklich bleiben wollte, habe ich immer auch finanzielle Sicherheit für mich gesucht. Einen Vater, der seine Kinde schlagen würde, wollte ich für meine Kinder nicht, und da man nicht sicher sein kann, dass es irgendwann passiert... habe ich nun den Ruf, eine "Karrierefrau" zu sein.

Was ich allerdings gelernt habe und weswegen ich innerlich friedlich bin, ist, dass ich gesehen habe, dass er uns Kinder doch geliebt hatte, es nur nicht angemessen zeigen konnte. Er selber konnte nicht anders, würde immer sagen, er habe für und das beste gewollt und das Schlagen sei das beste gewesen. Seine Zwänge, die ich nicht erklären kann, waren die Ursache, nicht mein Unvermögen oder meine Schuld.

Seine Art der Liebe ist nicht die, die ich Kindern wünsche.

Ich denke, dein Vater ging mit einer Leichtigkeit über deine Bedürfnisse hinweg, die nicht verantwortlich war. Diese Leichtigkeit war sein Lebensstil, aber ich bin überzeugt, ein Hauch von Liebe, welcher Form auch immer, hat er dir entgegen gebracht. Eine Liebe, die du nicht wahr nehmen kannst und die auch nicht erklärlich ist. Doch seine Eigenliebe war so stark, dass er euch verlassen hat. Es ist schade, wenn Gründe nicht genannt werden, vielleicht, dass deine Eltern sich auseinander gelebt hatten, und dass es besser sei, sich zu trennen. Da kommt auch deiner Mutter eine Rolle zu, denn du schreibst ja ähnlich wie ich das mit meiner Mutter erlebt habe, dass sie dir auch ein schlechtes Gewissen machte.

Ich würde mir wünschen, dass du diesen Hauch voen Liebe wahr nehmen könntest, es bedeutet nicht, dass du ihm "verzeihen" sollst, denn das, was er dir angetan hat, ist unverzeihlich. Ich würde mir wünschen, dass du ihn los läßt, dass er keine Macht mehr über dich hat und dass du dann den Menschen sehen kannst, der dein Vater war und ist, ohne Ressentiments. Und ein Weg dahin könnte meiner Meinung nach sein, dass du versuchst, zu erkennen, dass er dir eigentlich nicht schaden wollte, davon bin ich auch überzeugt, er hat nicht abschätzen können (und natürlich auch nicht wollen), was er dir antut, und die Ursache für dieses "lieb-lose" bzw. zu wenig liebevolle Verhalten liegt in ihm.

Cynthias Worte, dass man auch da die Wahl hat... finde ich gut. Ich glaube, sie kann das viel besser beschreiben als ich, wie man Eltern los lassen kann, damit man seinen eigenen inneren Frieden finden kann.

Ich rede mit meinem Vater. Selten sind die Themen wirklich tief. Aber ab und zu kommen heute mal Worte, an denen ich sehe, dass er doch auch bißchen von mir versteht. Wäre er nicht so alt geworden, hätte ich das nie erfahren.

Ich habe auch mit meiner Mutter meinen inneren Frieden so gemacht. Das war aber ein wirklicher Krach, richtig heftig, sie wollte nie wieder mit mir sprechen. Aber ich dachte, das ist ihre Entscheidung, nicht meine. Und sagte es ihr auch. Tatsächlich hat sie dann eingesehen, dass die mit der Drohung von Liebesentzug nichts erreichen würde und dass ich einfach meinen Weg gehen würde. Ab da hat sich mich als Erwachsene respektiert und auf gegeben, mich in ihrem Sinne manipulieren zu wollen.

Ich hoffe, dass hier irgendetwas dabei ist, das dir helfen könnte. Es sieht so aus, als würde es mir leicht fallen, das zu schreiben, aber innerer Frieden ist eben auch relativ. Die Schläge vergißt man nicht, und auch nicht das Misstrauen, das sie manifestieren. Aber ich habe gelernt damit um zu gehen.

"Es" war übrigens alles gut so, ich glaube, dass ich ein sehr rücksichtsvoller Mensch bin und damit "liebenswert". Ich denke, die harte Erziehung meiner Eltern hat mich milde und weich gemacht, trotzdem fest in meinen Entscheidungen. Aber es war ein langer Weg dahin, das wirklich so zu empfinden.

LG

Sabine


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