Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.08.2009 00:08 
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Mir nützt es oft, wenn ich mir vor Augen halte, dass das Verantwortlich-Fühlen auch etwas Anmaßendes, Entmündigendes an sich hat:
zu glauben, dass ich einen anderen Menschen vor bestimmten Gefühlen bewahren muß, heißt auch, ihn nicht ernst nehmen und ihm nicht zutrauen, dass er sich auf seine Art schon damit zurecht finden wird. Heißt auch, ihn vor Lernen und Entwickeln zu bewahren.
Ich erkläre den anderen damit für schonungsbedürftig und nicht stark genug (also kleiner als mich).

Als meine Mutter mich in der Kindheit und Jugend für ihre Gefühle verantwortlich gemacht hat, hat sie ja in mir eine Allmachts-Illusion erzeugt - als wäre ich stärker als sie.
Wenn ich dann heute noch immer glaube, dass ich andere beschützen müßte oder führen...wieder diese Allmachtsillusion.
Ich nehme dem anderen seine Selbstverantwortung weg.

Der Mensch, für den ich noch immer eine (ungute) Verantwortung fühle, ist mein Sohn - der ist aber 17 und ich halte ihn damit auch un-selbständig und behindere ihn. Trotzdem fällt es mir furchtbar schwer, ihn selbst-ständig sein zu lassen, weil ich nicht aufhören kann, seine Miß-Erfolge auf meine Fahnen zu schreiben...als wäre keine Grenze zwischen ihm und mir...

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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 11:41 
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Hallo,

es ist auch "mein" Thema. Und ich arbeite grad ganz fest an mir, dass ich die übernommene Verantwortung auch wieder los werde. Aber schon dass es mir auffällt empfinde ich als einen rießengroßen Schritt vorwärts.

Meine Mutter macht - oder besser - versucht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil ich bei der Scheidung von meinem Mann unsere zwei Kinder bei ihm gelassen habe, mich also für die "andere" als normale Seite entschieden haben. Die Kids sind inzwischen erwachsen, wir haben einen guten und innigen Kontakt. Sie sagte damals - das wirst du noch irgendwann bitterlich bereuen. Aber es ist bisher nicht eingetreten - und wird es auch nicht. Klar, es gab viele Zeiten, in denen es mich runterzog und ich meine Entscheidung in Frage stellte. Aber es ging immer wieder aufwärts und im inneren stand für mich fest, ich handelte - für mich - richtig.

Dann hatte ich vor zwei Jahren einen Disput mit meinem Sohn, damals gute 16 Jahre jung. Erst vom Gymnasium auf die Realschule, dann keine Lust mehr auf Schule überhaupt. Er meldete sich zum Quali an und wollte arbeiten. Alles gute Zureden half nichts. Er bekam in einer Firma einen Ausbildungsplatz - und siehe da, mit der Zeit stellte es sich heraus, dass er - für sich - die beste Entscheidung getroffen hatte. Zu Schulzeiten fast ein "Kotzbrocken" ohne Ende, entwickelt er sich seither wieder "sehr genießbar".

Nun arbeite ich am Partnerthema - ich übernehme viele Dinge, die er sich aufgeladen hat. Und mit seiner Zeit nicht mehr klarkommt. Da wir nicht zusammen wohnen - weil er das nicht möchte -, habe ich es mir "abgewöhnt", mich für seine Wohnung, Wäsche, Essen, etc. verantwortlich zu fühlen. Ich muss zwar manches Mal ein Auge zudrücken, zwecks der Männerbude, aber es geht. Immer besser.

Also Mädels, ich wünsche euch gutes Gelingen. BildBild

Rosirot


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 12:13 
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Liebe Teresa, ihr Lieben,

auch für mich ein bekanntes Thema.

Mir persönlich hat es sehr geholfen, zu lernen, dass ich zwischen den Bedürfnissen und Gefühlen anderer und meinen eigenen trennen darf und muss.

Verantwortlich bin ich nur für meine Kinder und mich und für die Erfüllung ihrer und meiner Bedürfnisse. Meine Kids sind in einem Alter in dem sie gerne die Mutti für ihre Gefühlslage verantwortlich machen, weil ihnen ja auch noch der Überblick im Allgemeinen und über das "Bedürfniserfüllungsstrategienspektrum" im besonderen fehlt.

Aber bei allen anderen Personen um mich herum, habe ich gelernt (....bzw. lerne immer noch), in mich zu gehen und zu schauen, ob ich denn wirklich für das, was sie mir erzählen verantwortlich bin. Deins und meins trennen ist für mich fast schon überlebenswichtig, weil ich sonst in unguten Gefühlen und Grübeleien ertrinke...

In der Praxis sieht das in meinem Mutter-Konflikt so aus, dass ich meine Mutter, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte sehr bedürftig ist, sehr viel Wertschätzung, Aufmerksamkeit, usw., braucht, in ihren Gefühlen bestätige ohne mich in ihre Dinge einzumischen oder Verantwortung zu übernehmen.

Ich denke eben auch, wie blaue Vase es schon dargelegt hat, dass alles andere übergriffig und entmündigend ist. Und siehe da, es funktioniert. Meine Mutter braucht ja nicht wirklich Lösungsvorschläge und Verantwortungsübernahme meinerseits. Sie braucht meine Aufmerksamkeit....und die gebe ich ihr gerne.

Noch ein Buchtipp dazu:

Gary B. Lundberg und Joy Saunders Lundberg: "Ich muss mich nicht für alles verantwortlich fühlen"

Lieben Gruß

gelbe Tulpe


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 12:46 
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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 14:34 
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@Blaue Vase

*lach*

So ein ähnliches Schild hängt hier bei mir an der Wand beim Schreibtisch Bild

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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 15:13 
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Ich schleiche auch schon eine ganze Weile um Deinen Faden herum, liebe Teresa, weil das auch eines meiner Themen ist...

Ich finde es sehr zutreffend, was Blaue Vase geschrieben hat...

... dass man den Gegenüber quasi entmündigt ...
... ihn klein macht bzw. hält ...
... ihn in der eigenen Entwicklung ver-/behindert ...
... wo Unterstützung durch das Übernehmen von Verantwortung mehr schadet als nützt, kontraproduktiv ist ...

"Mitleid" und "Mitgefühl", das sind die beiden Empfindungen an denen ich mich im Moment orientiere, weil ich mich eben auch sehr schnell verantwortlich bzw. "schuldig" fühle.

Was ich aus Mitleid heraus getan habe, war grundsätzlich Mist und endete für mich seelisch/emotional/finanziell in einem Desaster. Da handele ich mir grundsätzlich einen Schiffbruch ein.

Wenn ich aus Mitgefühl heraus beispielsweise agiert habe, dann hat das eine ganz andere Qualität-- für mich selbst, und hoffentlich auch für meinen Gegenüber...Da ist auch das Thema "Loslassen"/"Abgrenzung" kein allzu großes ´Problem` mehr...
Oder eben mitfühlend zuhören ... das gelingt mir auch schon viel besser ....

Deshalb guck ich mir das neuerdings genauer an:
Was ist das bei mir: Mitleid oder Mitgefühl?

Es gibt aber Situationen, in denen beides einfach erstmal nur verwischt ...
... ist mir zuletzt so ergangen als meine Freundin im Sterben lag...
Damals war sie es, die mir innerlich da ein wenig herausgeholfen hat:
Sie sagte (lächelnd), dass ich nicht mitleiden müsse, weil es ihr Weg sei, aber dass es ihr gut tut, wenn ich (teilweise auch wortlos) spüre, was ihr gut tut bzw. was sie braucht.
Es war erleichternd und hilfreich, dass sie mir das so offen gesagt hat... *dankbar bin für diesen Moment*

Liebe Grüße von Wilson

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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 16:15 
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Zitat:
"Mitleid" und "Mitgefühl", das sind die beiden Empfindungen an denen ich mich im Moment orientiere, weil ich mich eben auch sehr schnell verantwortlich bzw. "schuldig" fühle.


Nach meinem Sprachgefühl geht Mitleid immer von oben nach unten - Mitleid hat der Überlegene, die Geliebte mit der Ungeliebten, der Reiche mit dem Armen, die Gesunde mit der Kranken, jedenfalls Stark mit Schwach (oder dem für schwach Erklärten).
Anders könnte ein "Du tust mir nur noch leid!" nicht aggressiv geschmettert werden...das ist m.E. ein Versuch, den anderen zu verkleinern.

Mitgefühl passiert auf gleicher Augenhöhe, und wäre in einer anderen Situation auch umgekehrt möglich.

So jedenfalls verstehe ich die Begriffe und ordne meine Gefühle danach.

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Zuletzt geändert von BlaueVase am 26.08.2009 20:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.08.2009 19:16 
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Ich hoffe ich komm am Wochende wieder mehr zum lesen und schreiben, momentan bin ich die meiste Zeit einfach zu müde dafür. Aber ich freu mich riesig über eure Beteiligung an dem Thema und was ihr so alles zu erzählen habt. *staun*

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Leben ist keine exakte Wissenschaft.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 27.10.2009 17:32 
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Ich habe nicht alles gelesen, aber ich sehe, dass der andere für sich da ist und ich nicht den Kopf dafür hinhalten muß oder brauche, damit ich auslöffele, was sich der andere eingebrockt hat. Bin wirklich ich verantwortlich?

Im Beruf geht es inzwischen ganz gut, ich habe auch nicht mehr das Gefühl, Mitarbeiter motivieren zu müssen, die sich nicht motivieren lassen...

Bei den Eltern ist es sicher schwieriger, aber meine Mutter war z.B. bei einer völlig unfähigen Ärztin und die Ärzte, die meine Mutter auf dem Sterbebett behandelten, sagten deutlich, dass meine Mutter zeitlich viel eher (früher) in Facharzthände gehört hätte. Aber das wollte sie nicht.

Am Anfang habe ich gedacht, ich hätte sie zwingen müssen. Aber das wäre Bevormundung gewesen, sie wollte es genauso und nicht anders. Und andersherum hätte ich nicht gewollt, dass sie sich in meinen Kram mischt.

Meine Schwester hat immer noch ein schlechtes Gewissen, 8 Jahre ist das her. Aber meine Mutter wollte nicht zum Facharzt und sie hat der Ärztin viele Symptome verschwiegen. Und das dann bei der Trantüte von Ärztin, eine selten doofe Konstellation. Aber nicht zu ändern, die beiden hatten sich gescuht und gefunden.

Meine Mutter war nicht so dement, dass man ihr den eigenen Willen absprechen konnte. Auch nicht wir Töchter.

Es ist ein Abwägen: was gewinnt man selber, was gewinnt der andere, was verliert er, wenn ich mich nicht so kümmere. Was kann ich erwarten, dass er dür mich tut, damit meine Bedürfnisse erfüllt werden. Tit fpr tat (wie du mir, so ich dir. Auf welche egoistischen Ziele mag ich verzichten, welche egoistischen Ziele erfülle ich dem anderen nicht und wie ist es dann trotzdem noch eine vertrauensvolle Basis, die nicht von schierem Egozentrismus geprägt ist.

Boah, kompliziert, wieder mal.

Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen, einfacher gehts gerade mal wieder nicht.

LG

Sabine


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