Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 25.05.2012 23:26 
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Also, das hier stammt nicht aus meiner Feder. Ich kannnix dafür:

Erich Kästner: Knigge für Unbemittelte
 
  Ans deutsche Volk, von Ulm bis Kiel:
  Ihr esst zu oft! Ihr esst zu viel!
  Ans deutsche Volk, von Thorn bis Trier:
  Ihr seid zu faul! Zu faul seid ihr!
 
 Und wenn sie auch den Lohn entzögen!
  Und wenn der Schlaf verboten wär!
  Und wenn sie euch so sehr belögen,
  dass sich des Reiches Balken bögen!
  Seid höflich und sagt Dankesehr.
 
 Die Hände an die Hosennaht!
  Stellt Kinder her! Die Nacht dem Staat!
  Euch liegt der Rohrstock tief im Blut.
  Die Augen rechts! Euch geht's zu gut.
 
 Ihr sollt nicht denken, wenn ihr sprecht!
  Gehirn ist nichts für kleine Leute.
  Den Millionären geht es schlecht.
  Ein neuer Krieg käm ihnen recht,
  So macht den Ärmsten doch die Freude!
 
 Ihr seid zu frech und zu begabt!
  Seid taktvoll, wenn ihr Hunger habt!
  Rasiert euch besser! Werdet zart!
  Ihr seid kein Volk von Lebensart.
 
 Und wenn sie euch noch tiefer stießen
  und würfen Steine hinterher!
  Und wenn Sie euch verhaften ließen
  und würden nach euch Scheiben schießen!
  Sterbt höflich und sagt Dankesehr.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 27.05.2012 13:51 
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"Affrontenburg" Heinrich Heine (1797-1856)

Die Zeit verfließt, jedoch des Schloß,
Das alte Schloß mit Turm und Zinne
Und seinem blöden Menschenvolk,
Es kommt mir nimmer aus dem Sinne.

Ich sehe stets die Wetterfahn',
Die auf dem Dach sich rasselnd drehte.
Ein jeder blickte scheu hinauf,
Bevor er nur den Mund auftäte.

Wer sprechen wollt, erforschte erst
Den Wind, aus Furcht, es möchte plötzlich
Der alte Brummbär Boreas
Anschnauben ihn nicht sehr ergötzlich.

Die Klügsten freilich schwiegen ganz -
Denn ach, es gab an jenem Orte
Ein Echo, das im Widerklatsch
Boshaft verfälschte alle Worte.

Inmitten im Schloßgarten stand
Ein sphinxgezierter Marmorbronnen,
Der immer trocken war, obgleich
Gar manche Träne dort geronnen.

Vermaledeiter Garten! Ach,
Da gab es nirgends eine Stätte,
Wo nicht mein Herz gekränket ward,
Wo nicht mein Aug' geweinet hätte.

Da gab's wahrhaftig keinen Baum,
Worunter nicht Beleidigungen
Mir zugefüget worden sind
Von feinen und von groben Zungen.

Die Kröte, die im Gras gelauscht,
Hat alles mitgeteilt der Ratte,
Die ihrer Muhme Viper gleich
Erzählt, was sie vernommen hatte.

Die hat's gesagt dem Schwager Frosch -
Und solcherweis' erfahren konnte
Die ganze schmutz'ge Sippschaft stracks
Die mir erwiesenen Affronte.

Des Gartens Rosen waren schön,
Und lieblich lockten ihre Düfte;
Doch früh hinwelkend starben sie
An einem sonderbaren Gifte.

Zu Tod ist auch erkrankt seitdem
Die Nachtigall, der edle Sprosser,
Der jenen Rosen sang sein Lied; -
Ich glaub, vom selben Gift genoß er.

Vermaledeiter Garten! Ja,
Es war, als ob ein Fluch drauf laste;
Manchmal am hellen, lichten Tag
Mich dort Gespensterfurcht erfaßte.

Mich grinste an der grüne Spuk,
Er schien mich grausam zu verhöhnen,
Und aus den Taxusbüschen drang
Alsbald ein Ächzen, Röcheln, Stöhnen.

Am Ende der Allee erhob
Sich die Terrasse, wo die Wellen
Der Nordsee, zu der Zeit der Flut,
Tief unten am Gestein zerschellen.

Dort schaut man weit hinaus ins Meer.
Dort stand ich oft in wilden Träumen.
Brandung war auch in meiner Brust -
Das war ein Tosen, Rasen, Schäumen -

Ein Schäumen, Rasen, Tosen war's,
Ohnmächtig gleichfalls wie die Wogen,
Die kläglich brach der harte Fels,

Wie stolz sie auch herangezogen.

Mit Neid sah ich die Schiffe ziehn
Vorüber nach beglückten Landen -
Doch mich hielt das verdammte Schloß
Gefesselt in verfluchten Banden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 02.06.2012 10:09 
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Hölty, Ludwig Christoph (21.12.1748-1776. Mitglied des Göttinger Hainbunds)

Lebenspflichten

Rosen auf den Weg gestreut,
Und des Harms vergeßen!
Eine kleine Spanne Zeit
Ward uns zugemessen.

Heute hüpft, im Frühlingstanz,
Noch der frohe Knabe;
Morgen weht der Todtenkranz
Schon auf seinem Grabe.

Wonne führt die junge Braut
Heute zum Altare;
Eh die Abendwolke thaut,
Ruht sie auf der Bahre.

Ungewißer, kurzer Daur
Ist dieß Erdeleben;
Und zur Freude, nicht zur Traur,
Uns von Gott gegeben.

Gebet Harm und Grillenfang,
Gebet ihn den Winden;
Ruht, bey frohem Becherklang,
Unter grünen Linden.

Laßet keine Nachtigall
Unbehorcht verstummen,
Keine Bien', im Frühlingsthal,
Unbelauschet summen.

Fühlt, so lang es Gott erlaubt,
Kuß und süße Trauben,
Bis der Tod, der alles raubt,
Kommt, sie euch zu rauben.

Unser schlummerndes Gebein,
In die Gruft gesäet,
Fühlet nicht den Rosenhayn,
Der das Grab umwehet.

Fühlet nicht den Wonneklang
Angestoßner Becher;
Nicht den frohen Rundgesang
Weingelehrter Zecher.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 17.09.2012 18:10 
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Rilke sprach zu Rudolf Steiner:
"Keiner ist so klein wie meiner!"
Tröstend meinte Steiner: "Rainer,
meiner ist noch etwas kleiner!"

(Robert Gernhardt)

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 18.09.2012 20:11 
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Rilke sprach wieder zu Steiner:
"Stimmt, ja, Deiner ist noch kleiner!"
Darauf Steiner: "Lieber Rainer:
"Lieber kleiner als gar keiner!"

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 19.09.2012 11:50 
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Wenn wir hier lange genug Gedichte hinschreiben, stehen bestimmt mal irgendwann alle hier. Hier gleich mal Schiller:

Friedrich Schiller
Würde der Frauen

Ehret die Frauen! sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.
Ewig aus der Wahrheit Schranken
Schweift des Mannes wilde Kraft;
Unstät treiben die Gedanken
Auf dem Meer der Leidenschaft;
Gierig greift er in die Ferne,
Nimmer wird sein Herz gestillt;
Rastlos durch entlegne Sterne
Jagt er seines Traumes Bild.

Aber mit zauberisch fesselndem Blicke
Winken die Frauen den Flüchtling zurücke,
Warnend zurück in der Gegenwart Spur.
In der Mutter bescheidener Hütte
Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte,
Treue Töchter der frommen Natur.

Feindlich ist des Mannes Streben,
Mit zermalmender Gewalt
Geht der wilde durch das Leben,
Ohne Rast und Aufenthalt.
Was er schuf, zerstört er wieder,
Nimmer ruht der Wünsche Streit,
Nimmer, wie das Haupt der Hyder
Ewig fällt und sich erneut.

Aber, zufrieden mit stillerem Ruhme,
Brechen die Frauen des Augenblicks Blume,
Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß,
Freier in ihrem gebundenen Wirken,
Reicher, als er, in des Wissens Bezirken
Und in der Dichtung unendlichem Kreis.

Streng und stolz, sich selbst genügend,
Kennt des Mannes kalte Brust,
Herzlich an ein Herz sich schmiegend,
Nicht der Liebe Götterlust,
Kennet nicht den Tausch der Seelen,
Nicht in Thränen schmilzt er hin;
Selbst des Lebens Kämpfe stählen
Härter seinen harten Sinn.

Aber, wie leise vom Zephyr erschüttert,
Schnell die äolische Harfe erzittert,
Also die fühlende Seele der Fraun.
Zärtlich geängstet vom Bilde der Qualen,
Wallet der liebende Busen, es strahlen
Perlend die Augen von himmlischem Thau.

In der Männer Herrschgebiete
Gilt der Stärke trotzig Recht;
Mit dem Schwert beweist der Scythe,
Und der Perser wird zum Knecht.
Es befehden sich im Grimme
Die Begierden wild und roh,
Und der Eris rauhe Stimme
Waltet, wo die Charis floh.

Aber mit sanft überredender Bitte
Führen die Frauen den Scepter der Sitte,
Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
Und vereinen, was ewig sich flieht.

:rosegeb:

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 06.10.2012 19:01 
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Verfasser unbekannt, aber dennoch inglaublich, wie viele verschiedene Varianten es gibt :augenreib:

Dunkel war's, der Mond schien helle, Schnee lag auf der grünen Flur, als ein Wagen blitzeschelle langsam um die Ecke fuhr.....

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Das Leben ist wie ein Gleichungssystem: Es gibt unendlich viele Lösungen!
When I walk into a room, I know that everyone in it love me. I just don't expect them to realize it yet (Byron Katie)
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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 20.11.2012 00:25 
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Eduardo Mörike

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 23.11.2012 19:26 
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Immer wieder gut:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit,
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenns Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: “Junge, wist’ne Beer?”
Und kam ein Mädel, so rief er: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb’ne Birn.”

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit,
Da sagte von Ribbeck: “Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.”
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner, mit Feiergesicht,
Sangen “Jesus, meine Zuversicht” ,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
“He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?”

So klagten die Kinder. Das war nicht recht.
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt,
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtets wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung übern Kirchhof her,
So flüsterts im Baume: “Wiste ‘ne Beer?”
Und kommt ein Mädel, so flüsterts: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew di ‘ne Birn.”

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane (1819-1898)

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 Betreff des Beitrags: Re: Fremde Gedichte
Ungelesener BeitragVerfasst: 23.11.2012 19:43 
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