Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Unterm Sternenzelt
Ungelesener BeitragVerfasst: 26.11.2009 23:04 
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Wie der Zufall so spielt:

Da lag früh im Briefkasten eine Spendenwerbung mit "zuckersüß-glitzrigem" Hochglanzfoto von Zimtsternen...
Und mittags wurden in der Buchhandlung Lesezeichen verschenkt, auf einem stand der nüchterne Zen-Spruch:
„Schau hinauf zu den Sternen und geh auf der Erde“

Das gab Idee und Stichwort für diesen Faden.
Habt Ihr Lust, Gedanken, Texte, Bilder, Geschichten, Sprüche, Musiktips oder was einem sonst zum Thema Sterne, Planeten, Sternbilder einfallen kann, hier zusammenzutragen?

Also "... weißt du wieviel Sterne stehen an dem blauen Himmelszelt..."

Vorhang auf vor dem „gestirnten Himmel über uns“
– eben steht am heute klaren Himmel ein gut halbvoller Mond und dort der Großen Wagen, von dem ich eben nachlas, daß er ein nur ein Teil des Sternbildes Bär und ganzjährig am Nordhimmel zu sehen ist...




Bild



Erwartungsvoll Ausschau durchs Fernrohr haltend

die Sternguckerin Puckicki


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterm Sternenzelt
Ungelesener BeitragVerfasst: 27.11.2009 12:40 
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Puckicki hat geschrieben:

Habt Ihr Lust, Gedanken, Texte, Bilder, Geschichten, Sprüche, Musiktips oder was einem sonst zum Thema Sterne, Planeten, Sternbilder einfallen kann, hier zusammenzutragen?


Ich wünsche mir manchmal, dass es einen Stern gäbe, dem ich mit Begeisterung und innerer Überzeugung folgen kann. Fühle mich zuweilen orientierungslos.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 27.11.2009 14:21 
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In einem Vortrag von Vera f. Birkenbihl, den ich vor kurzem gesehen habe, sagte sie ein ejeder bräuchte einen Fixstern. Dunkle Wolken sind leichter zu ertragen, wenn man weiß, dass dahinter der Stern auf einen wartet.

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Leben ist keine exakte Wissenschaft.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 27.11.2009 20:30 
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Würziger Schneeduft
Blick in die Unendlichkeit
Das Herz in Demut




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Ungelesener BeitragVerfasst: 27.11.2009 20:50 
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Cassiopeia sagt,
man nennt mich das grosse Sternen W....
ich erscheine mal so, und dann umgedreht...

je nach Zeit, je nach Stand...
vom W zum M zum W
Weisheit Mut Wandlung...

Ich verdrehe die Köpfe, lasse sein, und vergehe beim Morgengrauen....für dich... erstrahle ich erneut, in der Nacht.....

In meiner Fortsetzung liegt der Polarstern, so bin ich einfach zufinden...

Wenn du mich einmal erblickt hast, wirst du mich immer wieder suchen, und staunen,
wer dreht,
was dreht, bin ich es, bist du's ?
und du wirst mich immer wieder finden... als Wandelbare......die Weisheit und Mut ausstrahlt....und sich als Wandlung zeigt... in der Ewigkeit des Sternenzelts....




Anleitung..... auf dem 15 Sekunden langen Film, ist ein Glühwürmchen,
das ist aber nicht Cassiopeia, sondern das, was im grauen Quadrat drin ist... auf anhalten drücken, dann sieht mans.... Bild
für die, die es genauer wissen wollen....

http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... start%3D21

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Wir sprudeln aus dem Nichts hervor, indem wir Sterne, wie Staub verstreuen. Rumi

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Ungelesener BeitragVerfasst: 28.11.2009 02:03 
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Es war einmal ein sehr, sehr kleiner Stern, der sich große Mühe gab das Leuchten zu lernen. Doch trotz aller Anstrengung blieb er so unscheinbar, daß ihn kein Astronom entdeckte und niemand ihm einen Namen gab. In einer wolkenverhangenen Nacht, als die Menschen zueinander sagten: „Wie traurig solche Nächte ohne Stern am Himmel“, nahm der kleine Stern all seinen Mut zusammen, denn er fühlte sich verlassen, einsam und müde von der vergeblichen Mühe. Er wollte loswandern, um einen Freund zu suchen. Aber schon nach kurzem war das Sternchen völlig verwirrt vom Dunkel und hatte jegliche Orientierung verloren. Verzweifelt riß es die Augensterne auf, aber ringsum nur Schwärze, ganz schwindlig wurde ihm und die Angst begann erst kleine Splitter, dann immer größere aus dem schwachen Gold des kleinen Sterns herauszusprengen. Er fühlte mit jedem Splitter seine Leucht- und damit Lebenskraft mehr schwinden und je mehr sie schwand desto größer wurde die Angst.

In diesem Moment riß die Wolkendecke auf und ein kleines Mädchen, das an der Hand der Großmuttter über den Christkindlmarkt gezogen wurde und krampfhaft seinen Weg durch die Menschenmenge suchen mußte, blickte gerade da zum Himmel hinauf. Da sah es ein Sprühen und die Großmutter, die dem Blick der Kleinen folgte, sagte verwundert. „Ende November Sternschnuppen habe ich noch selten gesehen, oh und die allerletzte glüht ganz im goldroten Ton meines Rings, unglaublich.“ „Sternschnuppen, was ist das?“ wollte das kleine Mädchen fragen, doch da baumelte schon wieder der Schalzipfel eines Erwachsenen vor seine Augen.

So fiel das letzte Stück des letzten Zacken vom kleinen Stern ungesehen durch das Wolkenloch, denn nichts anderes war der Funkenregen gewesen, als die Angstsplitter des Sternengoldes. Dem kleinen Stern schwanden die Sinne, als er zur Erde taumelte. „So also ist das Ende!“ war sein letzter Gedanke.

Doch da fühlte er etwas Weiches und etwas Glattes. „So bin ich doch nicht verglüht und gestorben?“ dachte der kleine Stern und öffnete vorsichtig einen Augenstern, blinzelte und sah: Das Weiche war aufgeweichte Erde neben einer Marktbude und das Glänzende ein zerknitterter winziger Komet aus Goldpapier, der von der Verkaufsfläche gerutscht war und schon einige Stiefeltritte ins Sternengesicht bekommen hatte. Tapfer lächelte der Komet aus seinem verknautschten Gesichtchen dem kleinen Stern zu: „Bist Du auch der Verkäuferin aus der Hand gefallen?“ „Nein“, flüsterte das Sternchen, und rutschte ein wenig näher, dabei funkelte die Bruchkante am Zacken hell auf,“ ich komme direkt vom Himmel und suche einen Freund. Magst Du meiner werden? Aber ich kann nicht gut leuchten.“
„Du willst mein Freund werden, obwohl ich nur aus Glanzpapier bin und mittlerweile ganz zerknittert?“ staunte der kleine Komet und bekam noch ein paar Knitter mehr. „Warum nicht? Wir sind beide klein und mir ist soviel Gold abgesplittert, da passen wir doch gut zusammen“ murmelte der winzige Stern und seine Bruchstellen glühten rot auf vor Verlegenheit. Der kleine Komet strahlte übers ganze, verknitterte Gesicht und schob dem Sternchen seinen Kometenschweif hin: „Also großes Freundesehrenwort, ab jetzt versuchen wir’s gemeinsam.“

In dem Moment wand sich das kleine Mädchen von der Hand der Großmutter los, die schrie erschreckt auf: „Bleib da, ich verlier dich sonst bei den vielen Menschen.“ Doch die Kleine bückte sich und hob einen Glanzpapierkometen und ein winziges rotgoldenes Sternchen aus dem Schmutz auf und begann sie mit dem Ärmel sauberzureiben. Die Großmutter wollte schon weiterschimpfen, aber sie sah ihre kleine Enkelin lächeln, reiben, putzen und die Knitterfalten aus dem Goldpapier streifen und die beiden Sterne immer stärker leuchten, der eine sonnengolden, der andere rotgolden.
Da sagte die Großmutter nichts mehr, streichelte der Kleinen das Haar aus der vor Eifer heißen Stirn und meinte leise: „Komm, die beiden Sterne hängen wir Weihnachten über die Krippe, was meinst Du?“ Die Kleine nickte nur, hielt die beiden Sterne ins Licht, das aus der Bude fiel, spuckte noch einmal auf ihren Daumen und rieb dem Kometen den letzten Schmutzfleck vom Schweif und die beiden kleinen Sterne schmiegten sich in die Kinderhände und flüsterten: „Was wohl Weihnachten ist?“ „Ein Wunder, wie plötzlich einen Freund finden!“ brummte da der beleuchtete Drehstern auf der Spitze eines Tannenbäumchens mit lautem Baß. Dann wurde es dunkel um die beiden kleinen Sterne, das Mädchen hatte sie vorsichtig in die Manteltasche gesteckt. Doch diesmal fürchtete der kleine Stern die Schwärze nicht, sondern drückte sich eng an seinen Freund, bis der knisterte: „Nicht so fest, sonst verknittere ich wieder, an Weihnachten müssen wir bestimmt besonders schön sein.“

Und an Weihnachten - aber das ist eine ganz andere Geschichte... Nein, nicht die von Großvater, als er seine Frau nach dem dritten Glas Punsch um die Taille faßte und ihr ins Ohr sang: „Puppchen, du bist mein Augenstern“ und der kleine Komet über der Krippe sich aus Neugier so weit vorneigte, daß er herunterfiel und der rotgoldene kleine Stern daneben gleich hinterdrein, dem Christkindl auf auf die Nase. Sondern...


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Ungelesener BeitragVerfasst: 28.11.2009 08:30 
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Puckicki ich liebe deine Geschichten, ich falle fast hinein.... mitten in den Christbaum, in den, von Kerzen strahlenden, der doppelt strahlt, mit den beiden Sternen, die zwar am Boden und auf der Nase des Christkinds liegen und kichern.... weil alle lachen, weil es so ein lustiges "Pling" gemacht hat, als der kleine Stern auf der Nase landete... wie nur echte Sterne, "Pling" machen können....
Als der Grossvater mit der Grossmutter zusammen tanzt, Puppchen, du bist mein Augenstern,
funkeln die Augen der Grossmutter, wie Sterne, vor Vergnügen, und Wärme im Herzen.....

Das kleine Mädchen, springt zur Krippe, nimmt den Stern von der Christkindlnase, und den Kometen, der am Boden liegt.... reibt daran, hält sie hoch ins Kerzenlicht, des Baumes und sie strahlen, um die Wette, mit dem strahlenden, freudeglänzenden Gesicht des Mädchens.... Bewundernd hält sie sie hoch, und sagt,
schau Grossmama, das sind die schönsten Sterne, die es gibt....

Die Grossmama, löst sich aus den tanzenden Armen ihres Mannes, beugt sich hinunter, nimmt das kleine Mädchen in ihre Arme, sie hebt sie hoch, und ruft,
Der schönste Stern bist du mein Schatz.... und wirbelt mit ihr im Kreis herum.... singt laut Puppchen du bist mein Augenstern,
und die Sterne in den Augen und der Stern aus der Bude, und der kleine Stern vom Himmel, sind sich einig,
so schön war Weihnachten noch nie, auch wenn es das erste ist, das sie alle zusammen verbringen.... und sie wissen nicht, dass das erst der Beginn ist... sie wissen noch nichts, von Weihnachten und den Ereignissen die kommen.... vom Besuch..... vom Essen.... vom Geschenke bekommen.......sie singen und lachen und freuen sich... und sind schon so glücklich, dass sie sich nicht denken können, jemals glücklicher gewesen zu sein.... oder noch glücklicher zu werden......Wie gut dich als Freund zu haben, sagt der Komet zum kleinen roten Stern und knistert sich an ihn, in den Händen des Mädchens.... das die Arme, um den Hals der Grossmutter schlingt..... und die Sterne, sicher in den Händen hält...
Der Grossvater nickt gefällig und klatscht in die Hände, zum Takt des Tanzes....

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Ungelesener BeitragVerfasst: 28.11.2009 11:54 
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Hallo Puckicki, danke für Deine wunderschöne Geschichte,
und Dir Cassiopeia für Deine Gedanken. Ich verbinde beides.

Und zu Weihnachten werden die beiden Sterne von einem Menschen gefunden, der Sehnsucht nach ihnen und den Mut hat, sie aufzuheben und in ihnen das sieht, was sie sind: Sterne.


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 Betreff des Beitrags: Rot und Blau
Ungelesener BeitragVerfasst: 01.12.2009 21:17 
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Es war einmal ein Weihnachtsstern, klein, aber mit schönem dichtem roten Blätternkranz und sehr kräftig. So blühte er zur Überraschung seiner Gastfamilie, die ihn Anfang Dezember geschenkt bekommen hatte, auch noch im Januar und im Februar und auch noch im Mai und Juni. „Wie kann er das nur?“ fragten sich die Menschen. Aber irgendwann hörten sie das Fragen auf, denn die Menschen gewöhnen sich ja an (fast) alles.

Schließlich war es wieder Dezember geworden und der kleine Weihnachtsstern war zu einer üppigen Pflanze herangewachsen – und, ja, blühte wundersamerweise noch immer. Jetzt beachteten ihn die Menschen wieder und freuten sich, denn draußen waren alle Bäume kahl, oft hing Nebel vor den Fenstern und da wärmte das kräftige Rot der Blütenblätter schon beim Anschauen. Das Geheimnis des immer noch blühenden Weihnachtssterns hätte nur einer verraten können, der Glockenblumenstock, der neben ihm auf der Fensterbank stand. Eigentlich für das Auspflanzen in den Garten gedacht, hatten die Menschen nie Zeit dazu gefunden. Und zäh hatte die Glockenblumenpflanze das Beste daraus gemacht: immer wieder schien sie einzugehen, dann nahm sie alle Kraft zusammen, trieb neu aus und setzte Knospen an und schon war wieder der ganze Stock blau umglöckelt. So feuerten sich Glockenblume und Weihnachtsstern gegenseitig an und vergaßen dabei alle Regeln, nach denen sie eigentlich zu blühen gewohnt waren. Sie schöpften einfach immer aufs neue Lebenskraft und Lebensmut aus der Freude aneinander und rissen einander mit. Rot und Blau, Blau und Rot.

Bis eben zu jenem Dezember, da merkte die Glockenblume, wie die Blätter ihres Freundes allmählich blasser wurden, dann fiel eines aus, dann noch eines und noch eines. „Was hast Du?“ fragte sie besorgt. Aber der Weihnachtsstern hatte verlernt zu sprechen. Traurig mußte die Glockenblume zusehen, wie er immer mehr Blätter verlor und verkümmerte, ohne daß sie etwas von seinem Kummer erfragen konnte.
Schon spürte die Glockenblume, wie auch ihre Blätter vor Sorge um den Freund zu welken begannen, da redete der Weihnachtsstern in einer Mitternachtsstunde plötzlich: „Bitte, laß Dich nicht anstecken von mir, sondern bleib lebendig und grün und setze im Frühling wieder Glockenknospen an, blau wie der Himmel, denn nur wenn ich weiß, daß es Dir gut geht, auch wenn ich nicht mehr bei Dir bin, kann ich die letzten Schritte tun, damit sich mein Lebenstraum erfüllt. Wirst Du das tun, bitte!“

Die Glockenblume überlegte eine ganze Weile angestrengt.
„Du bist auf dem Weg zu Deinem größten Wunsch?“
„Ja“, flüsterte der Weihnachtsstern.
„Du wünschst es Dir wirklich mehr als alles sonst?“
„Ja“, nickte der Weihnachtsstern mit seinen letzten, schon schlaffen Blättern.
„Gut, wenn Du meinst, es ist Dein Weg, und wenn es Dir dabei hilft, so verspreche ich Dir, im Frühsommer wieder zu blühen.“
„Du bist eine echte Freundin, Glockenblume, damit hast Du mir die Freiheit geschenkt“, antwortete der Weihnachtsstern und ließ ein blaßrotes Blatt zur Glockenblume hinunterfallen, „zum Dank erzähle ich Dir mein großes Geheimnis.“

Und der Weihnachtsstern begann leise zu erzählen, während draußen vor dem Fenster die ersten Schneeflocken dieses Vorwinters niederschwebten:
„In der Mittsommernacht, als der Garten schwirrte von Tönen und Düften und sie zum offenen Fenster hereinzogen und mir schier den Sinn vernebelten, als die Blumenelfen ihren mitternächtlichen Reigen tanzten und alles überquoll von Leben und Sommerlust, da habe ich mich verliebt. Verliebt in einen Stern. Er war winzig, schimmerte in einem Rotgold in der schwarzen Sommernacht, daß ich den Blick nicht mehr von ihm wenden konnte und wußte, ich will zu ihm und wenn es mich das Leben kostet. Plötzlich hörte ich ein Stimmchen wispern: „Ich bin das Mitternachtsglühwürmchen und habe Deinen Gedanken gelesen und weil Du Deinen Wunsch beim letzten der zwölf Glockenschläge gedacht hast, kann er in Erfüllung gehen, willst Du es wirklich? Bist Du bereit dafür Dein Leben zu geben?“
„Ich traute meinen Ohren kaum“, flüsterte der Weihnachtsstern so leise, daß sich die Glockenblume ganz nah neigen mußte, um ihn noch zu verstehen, „aber ich sagte ‚Ja’. So sehr hatte mich die Sehnsucht nach dem Rotstern droben im Nachschwarz erfaßt, daß ich das Ziehen bis in die letzten Blattspitzen fühlte.“


Der Weihnachtsstern machte eine lange Pause. Schließlich fragte die Glockenblume zaghaft: „Und der Wunsch kostet Dich Dein Leben?“ „Mein Leben“, hauchte der Weihnachtsstern, „und ich muß Dich verlassen für immer. Hör zu, bitte hilf mir mit Deiner Lebenskraft. Bis zum Wintersonnwendtag muß ich noch durchhalten, dann wird mit meinem allerletzten roten Blatt mein Lebensfunke frei und was dann kommt, das hat mir das Mitternachtsglühwümchen auch nicht vorhersagen können. Nur, daß ich nicht zweifeln darf, bis zuletzt nicht, hat es gewarnt. Wie waren die Worte genau? So: ‚Nur im Vertrauen zum Wandel wirst du gewandelt, nur im Vertrauen zum Wandel wirst du, was du bist.“


Noch einmal fragte die Glockenblume eindringlich, ob der Weihnachtsstern sicher sei in seinem Wunsch und bereit, dafür den hohen Preis zu zahlen, und auf das entschiedene Ja des Freundes hin versprach sie schließlich, ihm beizustehen. Still harrten die beiden aus, während der Weihnachtsstern immer schwächer und schwächer wurde, die Tage schienen unendlich lang bis zum kürzesten des Jahres. Als endlich auch der überstanden und die längste Nacht da war und die Uhr zwölf Uhr schlug, knickte der Weihnachtsstern beim letzten Glockenschlag in sich zusammen und die ausgebreiteten Stengel der Glockenblume fingen sein allerletztes Blatt sanft auf. In diesem Moment sprühte ein rotgoldener Funke durchs geschlossene Fenster hinauf zum Firmament und da sah die Glockenblume, die das letzte, zusammengerollte Blatt des Freundes festhielt, statt eines auf einmal zwei rotgoldene Sterne genau über sich stehen, so dicht nebeneinander, daß ihr heftig flimmerndes Licht ineinanderfloß und glänzte wie von einem einzigen Himmelskörper.

Am nächsten Morgen fanden die Menschen den abgeknickten Weihnachtsstern und warfen ihn auf den Kompost, an der Glockenblume aber war eine einzelne, große, tiefblaue Blüte aufgegangen und die Menschen wunderten sich sehr, war doch tags zuvor nicht das kleinste Knöspchen zu sehen gewesen. „Jetzt mitten im Winter dieses verheißungsvolle, zarte Stückchen Sommerhimmelsblau, wie wunderschön“ staunten die Menschen und übersahen dabei, daß die Blüte trotz der trockenen Zimmerluft voll Wasser stand.


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Ungelesener BeitragVerfasst: 05.12.2009 12:35 
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Die Glockenblumenblüte stand voll Wasser, trotz der trockenen Luft im Zimmer....
sie schaute sich um....

Platz hatte sie ja nun genug, weil der Weihnachtsstern auf dem Kompost lag....
ich habe soviel Platz wie du,
dachte sie, in den Himmel hinauf....

Rotgoldene Sterne, ich liebe euch... gehts dir gut, dort oben... ? ist es deine Bestimmung..... ? bist du glücklich ?

die Fragen torkelten herum, bis sie durch ein Sternentor gelangten und in den Schoss des ehemaligen Weihnachtssterns plumpsten....
er betrachtete die Fragen.... ist es deine Bestimmung, bist du glücklich, gehts dir gut....

er begann zu singen.... JAAAA..... ein Ja, wie es nur Sterne singen können......
Nur im Vertrauen zum Wandel wirst du gewandelt, nur im Vertrauen zum Wandel wirst du, was du bist....das ist wahr....
die Elfen hörten es sofort... und brachten die Botschaft zur blauen Glockenblume.... die ihrerseits zu singen begann, vom tiefblau und dem See in ihr....
so ergab sich ein Duett, vom Himmel zur Erde, von der Erde zum Himmel...
die Elfen tanzten dazu.... durchs Sternentor zu wandeln ist Musik.... sangen alle zusammen....

Die erwachsenen Menschen im Zimmer hörten nichts.... kein singen, kein klingeln.... nur das Mädchen, das den Weihnachtsstern vermisste, hörte wie sie sangen.... und fand es schön.....

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