Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Der eschatologische Waschzettel
Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 10:41 
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Ich erzähle Euch etwas über eines meiner Lebens-Bücher (seit 1982), eines der Bücher, die meinem Leben einen Dreh, einen Drall, gegeben haben
...und vielleicht sind die zentralen Gedanken auch etwas für Euch...

Es ist ist das Buch von Sheldon B. Kopp: Triffst du Buddha unterwegs...
Der Satz gehört vollendet: "...töte ihn, denn Du bist Buddha."
Dieses Buch handelt aber nicht etwa von Buddhismus, es ist ein Buch über Psychotherapie und Selbsterfahrung, z.T. am Beispiel von Siddharta und seiner Suche dargestellt; geschrieben hat es ein amerikanischer Psychotherapeut, der sich und seine Klienten wahrhaftig nicht schont.

Am Ende des Buches - und darum geht es mir hier -, stehen 43 Sätze, mit der etwas augenzwinkernden Überschrift
"Eschatologischer Waschzettel - Auszug aus dem Register der 927 (oder waren es 928?) ewigen Wahrheiten"
(Eschatologie ist die Lehre von den letzten Wahrheiten.)

Dort hat er ein paar fundamentale Einsichten aufgeschrieben, mit denen ich mich immer mal wieder zur Ordnung rufe... wenn ich mir Illusionen mache, wenn ich die Realität nicht sehen will, wenn mir alles zu schwierig vorkommt, wenn ich am Leben verzweifle, wenn ich zerre und zapple...

Diese Sätze holen mich auf den Boden der Realitäten des Lebens und helfen mir, mit ihnen zu leben. Auch wenn sie weh tun, sind sie mir lieber als Illusionen.
Ich möchte gerne welche fett drucken - aber es geht nicht - sie sind alle gleich wichtig, scheint mir.
Ich habe bekanntlich keinen Vertrag mit Gott/Glauben, Esoterik, Astrologie, daher kommen mir einige der folgenden Feststellungen sehr entgegen.

Über manche bin ich schon heulend zusammengebrochen, manche haben mich so sehr erleichtert, dass ich mein Leben wieder in Angriff nehmen wollte - und fühlen.

Diese zum Teil knallharten Sätze sind für mich nicht etwa resignativ - für mich sind sie Wahrheiten, mit den ich leben muß und will.
Sie scheinen z.T. absolut platt und simpel zu sein - aber wenn ich bedenke, wieviel Schmerz ich schon erlitten habe, weil ich sie nicht wahr-haben wollte...
Mir helfen sie immer wieder aufs Fahrrad und rücken in mir etwas gerade.
Manche erlösen mich geradezu aus Klammern und Erstarrung...ich finde sie so erleichternd! Endlich hört das Gegrübel auf...

Aber lest selbst und schaut, ob Ihr etwas damit anfangen könnt.

1. Dies ist es!
2. Es gibt keinen verborgenen Sinn.
3. Es gibt nur hier und jetzt und keinen anderen Ort, wo du hingehen kannst.
4. Wir sterben schon, und wir werden lange tot sein.
5. Nichts ist von Dauer.
6. Du kannst nicht alles bekommen, was du haben willst.
7. Du kannst nichts haben, solange du es nicht losläßt.
8. Du kannst nur behalten, was du weggibst.
9. Es gibt keinen besonderen Grund dafür, dass du einige Dinge, die du ersehnst, einfach nicht erreichst.
10. Die Welt ist nicht unbedingt gerecht. Gut zu sein, zahlt sich oft nicht aus, und es gibt keine Entschädigung für Unglück...
11. Du hast die Verantwortung, trotzdem dein Bestes zu tun.
12. Es ist ein zufälliges Universum, dem wir da Sinn geben.
13. Du hast nichts wirklich unter Kontrolle.
14. Du kannst niemanden zwingen, dich zu lieben.
15. Keiner ist stärker oder schwächer als irgendein anderer.
16. Jeder ist auf seine Art verwundbar.
17. Es gibt keine großen Menschen.
18. Wenn du einen Helden hast, sieh noch mal hin: du hast dich selbst irgendwie kleiner gemacht.
19. Jeder lügt, betrügt, tut so als ob (ja, du auch und höchstwahrscheinlich ich selbst)
20. Alles Böse ist potentielle Vitalität, du musst es nur umsetzen.
21. Alles an dir ist etwas wert, wenn du es nur besitzt
22. Fortschritt ist eine Illusion.
23. Man kann das Böse hierhin und dahin schieben. aber nie ausrotten, denn alle Lösungen brüten neue Probleme aus.
24. Trotzdem ist es notwendig, weiter zu kämpfen und auf die Lösung hinzuarbeiten.
25. Die Kindheit ist ein Nachtmar.
26. Aber es ist ist so schwer, ein selbständiger paß-auf-dich-selbst-auf-denn- es gibt-keinen-anderen-der-es-für-dich-tut-Erwachsener zu sein.
27. Jeder von uns ist letztlich allein.
28. Die wichtigsten Dinge muss jeder für sich selbst tun.
29. Liebe ist nicht genug, aber sicher hilft sie.
30. Wir haben nur uns selbst und einander. Das ist vielleicht nicht viel, aber mehr gibt es nicht.
31. Wie seltsam, dass es so oft all das wert zu sein scheint.
32. Wir müssen mit der Unsicherheit teilweiser Freiheit, teilweiser Macht und teilweisen Wissens leben.
33. Alle wichtigen Entscheidungen müssen auf der Basis unzureichender Daten gefällt werden.
34. Und doch sind wir verantwortlich für alles, was wir tun.
35. Entschuldigungen werden nicht angenommen.
36. Der kannst weglaufen, aber du kannst dich nicht verstecken.
37. Es ist sehr wichtig, alle Sündenböcke abzuschaffen.
38. Wir müssen die Kraft erkennen, die darin liegt, mit unserer Hilflosigkeit zu leben.
39. Dein einziger Sieg liegt in der Hingabe an dich selbst.
40. Alle wichtigen Schlachten trägst du in dir selbst aus.
41. Du bist frei zu tun, was immer du willst. Du musst nur bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.
42. Was weißt du eigentlich...sicher?
43. Lerne, dir selbst zu vergeben, wieder und wieder und wieder und wieder...

Sind da "Wahrheiten" dabei, mit denen Ihr etwas anfangen könnt?

Zu dem ganzen Buch gibt es übrigens ein paar sehr hilfreiche Rezis bei amazon.


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Zuletzt geändert von BlaueVase am 25.07.2009 14:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 13:07 
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Danke ... ich hatte den Zettel verdusselt und gerade vor ein paar Tagen an ihn gedacht. Wie schön, dass Du ihn hier angepinnt hast (langsam fang ich echt an, an meine PSI-Fähigkeiten zu glauben *schwindelig werd*).

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 13:44 
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Hey Danke für die Erinnerung, ich kann den mal wieder echt gut gebrauchen.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 19:20 
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Danke, liebe Blaue Vase, das kommt genau zum richtigen Zeitpunkt

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 19:36 
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Liebe BeVau,

DAS drucke ich mir aus und lege es in meinen Kalender UND hänge es hier im Büro auf.

Jawoll! :good:

Und Danke!


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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 20:02 
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Ich habe noch ein Weilchen in dem Büchlein (200 S.) geblättert und ein paar Sätze gefunden, die ich Euch ebenfalls nicht vorenthalten möchte.
Vielleicht könnt Ihr auch mit denen etwas anfangen.

Zum "Sinn des Lebens": Der Clou ist, es gibt keinen Clou.
Dieser Satz hat mich erleichtert wie selten einer...ich hatte immer gedacht, ich sei allein mit dieser Idee. Die Menschen um ich herum sind eher spirituell unterwegs, aber ich eben nicht. Wenn jemand meinem Leben Sinn gibt, dann ich selbst - wie gesagt: Triffst du Buddha, töte ihn - du bist Buddha (also dein eigener Weiser).

Zur Kopf-Bauch-Trennung von Menschen:
Wir scheinen uns alle als Reiter auf Pferden zu betrachten.
Das Pferd verkörpert das kraftvolle, animalische Leben, das kein Verstand behindert und kein Zweck leitet; der Reiter ist das selbständige, unvoreingenommene Denken, eine Art reine, kühle Intelligenz.
Zu oft lebt der Pilger wie ein Reiter, der den Willen seines Pferdes brechen will, um es ganz in seine Gewalt zu bekommen, so daß er sicher und bequem reiten kann, wohin er will.
Mancher glaubt auch, dass er nur die Wahl hat zwischen dem ungezügelten Leben des reiterlosen Pferdes und dem eintönigen Weg des isolierten, pferdelosen Reiters und versucht gar nicht erst, sich Gehorsam zu erzwingen.

Wer sich mit keinem von beiden abfinden mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als ein Reiter zu sein, der um Gewalt über sein störrisches Pferd kämpft.
Könnte er doch sehen, dass es keinen Kampf mehr gibt, sobald er begreift, dass er ein Zentaur ist.
Bild

Und zum Thema Opfer/Hilflosigkeit/Täter ein Satz, den ich mir als Tochter einer emotionalen Erpresserin und manipulierenden "Hilflosen" fürs Leben gemerkt habe:
Wenn jemand sich entschließt, ein Werkzeug zu werden, um kein Messer zu sein, dann weil ein anderer da ist, der droht, eine Wunde zu werden.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 20:11 
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Zitat:
9. Es gibt keinen besonderen Grund dafür, dass du einige Dinge, die du ersehnst, einfach nicht erreichst.



Zitat:
33. Alle wichtigen Entscheidungen müssen auf der Basis unzureichender Daten gefällt werden.


So sehr, wie mich diese Sätze jedesmal treffen wenn ich sie lese müssen sie ja eine besondee Bedeutung für mich habe. Da ist immer dieser Finger in der Wunde.

Der eine wohl, weil ich mich dafür das ich nicht bekommen habe was ich wollte schäme, weil ich mir die schuld gab. Weil ich erkrankte an dem glauben nicht gut genug zu sein.

Der andere weil die Unsicherheit mein ständiger Begleiter war bis ich eines Tages vor allem Angst bekam.

Beides rührt mich zutiefst an und erwische mich bei dem Gedanken: "Könnte ich das eine blos glauben und das andere akzeptieren, ich wär unbesiegbar."

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Ungelesener BeitragVerfasst: 25.07.2009 20:12 
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BlaueVase hat geschrieben:
Wenn jemand sich entschließt, ein Werkzeug zu werden, um kein Messer zu sein, dann weil ein anderer da ist, der droht, eine Wunde zu werden.


Den Satz muss ich mir ein andermal nochmal durchlesen, ich schnall den gar nicht. :?:
Bin ich wohl schon zu müde für, hihi.

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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.07.2009 08:00 
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Ich verstehe das so:

Da ist jemand, der "verletzt" ist und seine Verletzung ausnutzt, dich so zu manipulieren, dass die Verletzung nicht heilen kann, sondern dass die Wunden bleiben. Die Person nutzt dich als Messer, damit mit diesem Messer ihre Wunde immer schön weiter offen gehalten werden kann.

Auch nicht besser, oder?


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Ungelesener BeitragVerfasst: 26.07.2009 12:52 
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Das ist ja spannend...ich fand den Satz immer so eindeutig, dass ich gar nicht auf die Idee kam, dass der Interpretationen zuläßt...
Ich habe ihn immer so verstanden:

Jemand gibt sich als empfindlich, hochsensibel, verletzbar (also droht, eine Wunde zu werden) aus, um vor jeder Kritik oder jedem Für-sich-selbst-Sorgen anderer verschont zu werden. "Das darfst du nicht, so darfst du nicht sein...denn das tut mir ja weh! Du mußt mich schonen! Das halte ich nicht aus, dann gehe ich kaputt!"

Die Verletzungs-Drohung manipuliert den anderen (über Schuld+Verantwortung), sodass er sich nicht mehr traut, zB Grenzen zu setzen, eigene Ziele durchzusetzen usw.
Erdfolgreich Manipulierte nehmen sich und ihre Bedürfnisse dann so zurück, dass das potentielle "Opfer" letztendlich stärker ist und alles nach seinem Willen passiert.

Und wer Schuldgefühle nicht aushält oder sich machen läßt, wird dann der Harmonie zuliebe lieber ein Werkzeug, das hilft, die neurotischen Vorstellungen des Opfers zu erfülle - stellt eigene Bedürfnisse zurück, läßt sich alles bieten, ist gehorsam, hält alles aus.

Co-Abhängigkeitsmechanismen habe ich mir auch so erklärt:
"Du darfst dich nicht von mir trennen, ich habe ja nur dich, ich gehe dann völlig kaputt!" (Wundenandrohung) - und der Co-Abhängige bleibt und unterstützt im Grunde weiter die Suchtspielchen (=Werkzeug), statt für sich zu sorgen und in Kauf zu nehmen, dass der andere dann mit eventuellem Schmerz selbstverantwortlich umgehen muss.
Indem ich mich für entstehenden Schmerz bei anderen verantwortlich mache und ihn also vermeide, werde ich Werkzeug des anderen, der damit seinen Seelenstatus gemütlich störungsfrei hält - auf meine Kosten.

Das nennt man auch "Die Macht des Opfers".

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