Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
Aktuelle Zeit: 21.11.2018 19:31

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 188 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1 ... 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19  Nächste
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 04.06.2016 22:50 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Und im Traum fing Schnuffi an, wie ein Lämmchen zu Frau Y. empor zu blöken, als wenn aus dem schlappen Lappen der er nun war ein kleiner Schafskopf sich hervorwölbte und zunächst zart, dann aber immer bestimmender, fordernder, in einer Mischung aus Unglück, Unzufriedenheit, gekränkter Verwöhntheit und Hysterie ein vielfaches "Määääähhhh...!" an sie richtete. Es sah aus, als liege Schnuffi auf dem Rücken und wolle nun irgendwie von ihr versorgt werden. Ja, das schien er zu erwarten. Und zwischen seinen Pfoten tauchte glänzend ein verschlossenes buntes Glasfläschchen auf, an dem nun das das Hundschäfchen herumnuckelte, und scheinbar mit den Augen Frau Y. anflehte, ihn mit dem Inhalt des Fläschchens zu nähren ... Was für ein erbarmungswürdiger Anblick er war ...! Und im Traum beugte sich Frau Y. zu ihm herab, voll Mitleid mit dem so schwach gewordenen, Lämmchen gewordenen Hündchen, und wollte das Glasfläschchen öffenen, um ihm "das Fläschchen zu geben" ... Als sie mit ihren Händen den Plastikverschluß zu öffnen begann, ging ein starker Lufthauch durch durch ihr Wohnzimmer ..., und gleich darauf erscholl ein wildes Kreischen ... Direkt vor ihr und über Schnuffi in der Luft war es, als ob eine Katze Gestalt annahm ... Frau Y. schüttelte den Kopf, und das Schemen verschwand wieder. Und wieder forderte Schnuffi sein Recht, und er blökte herzerweichend ... Frau Y. drehte an dem Plastikverschluß des Fläschchens, bis dieser sich mit einem "Plopp!" öffnete, und die in dem Fläschchen vorhandenen Kapseln sehen ließ: Lauter lustige, bunte Käpselchen, von denen man ahnen konnte, wie gut sie jetzt dem verzweifelten Hündchen in seiner Not tun würden ... Und Frau Y. beugte sich vor, um Schnuffi einige der Kapseln in seinen Schäfchen-Rachen zu schütten. Aber als sie das Fläschchen an Schnuffis Maul ansetzte sprang mit einem Knall eine wilde Katze wie aus dem Nichts in den Raum und aus der unmittelbaren Nähe direkt auf Frau Y. zu, und schlug ihr mit der Pfote das Glasfläschchen aus der Hand, daß es scheppernd an der Wand zersprang und die Kapseln davonhopsten. Mit offenem Mund und weiten Augen betrachtete Frau Y. die Katze, die nun auf dem Boden saß und sie herrisch und voller Tatkraft unheimlich anschaute. "Miezi!" rief sie laut aus, und "Du bist ja wieder da!!!". Ein Pfauchen, ein wildes Miau, und die Katze sprang in ein paar Sätzen in die Luft und in einen Nebel hinein, und war verschwunden ..., und der Nebel mit ihr.
Wie gerädert wachte Frau Y. am Morgen auf und brachte als erste Tat des Tages ihren Traum zu Papier. Und seltsam ...., mehrfach waren ihr irgendwie Katzenhaare beim Schreiben auf dem Papier im Weg, über die der Kugelschreiber hinweghoppeln mußte, bis sie das Papier entschieden sauber pustete. Dabei fiel ihr Blick auf den Teppich: Alles war voller Katzenhaar! Hunderte von Katzenhaaren, alle in der Farbe, von der einst Miezis Fell gewesen war ... Es konnten gut 500 Haare sein.

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 25.06.2016 13:20 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Noch immer war es nicht Wochenende geworden. Die Woche zog sich elend in die Länge. Die Kinder gammelten in der Schule vor sich hin, lernten im Halbschlaf gähnend weiterhin Gemeinschaftskunde, Werte und Normen, Ethik, sogar Pädagogik und viele andere Dinge an die sie sich später beim besten Willen nicht mehr besonders genau erinnern würden ..., und das von morgens bis abends. Abwechslung brachten diverse Flirts, Drogen und erste sexuelle Erlebnisse, aber öde war es irgendwie doch. Hatten sie wirklich Freude an all dem bunten Kram, den ihnen ihre Eltern kauften? Lief es nicht doch auf wahlloses Konsumieren am Fernseher und am PC/Notebook/Tablet/Smartphone hinaus? Fühlten sich sich lebendig und verbunden mit dem Universum, mit Sonne, Seen, Flüssen, Wäldern, Weiden, Wind und Wolken, mit den Menschen und Tieren auf diesem Planeten, mit den Geistesgrößen und den tüchtigen Leuten in Handwerk, Industrie, Kunst und Wissenschaft, die ihnen sogar noch aus manchen Büchern der Vergangenheit und Gegenwart zuriefen: "Kommt! Lernt von uns! Unternehmt was! Greift zu! Macht was Ihr wollt! Laßt Euch nicht mit Verwaltung und Gammelei nach Schema F abspeisen!" ? Eigentlich waren die Kinder nicht von Beginn an faul gewesen, hatten eigentich mal richtig was lernen gewollt, später einen Beruf ergreifen, vielleicht was studieren, zunächst aber Grundlagen erwerben und einen kräftigen Körper ausbilden, Sport treiben, den Geist trainieren ... Später könnten dann Paar und Familie kommen, neben Freundschaften und Broterwerb ... Jetzt, in den ersten beiden Jahrzehnten ihres jungen Lebens, waren jedoch erst mal Langeweile, Gammelei und lebensferne Dinge angesagt, statt der Erwerb von Wissen und Können in den großen Disziplinen. Hätten sie eine andere Wahl gehabt? Sicher, niemand hatte sie gezwungen, Mathe, Physik und Informatik abzuwählen, und komplizierte, sicher zu schwere Fremdsprachen lieber zu umgehen ..., sofern davon noch etwas an ihrer Schule angeboten wurde. Sie hätten ja eigentlich auch eine Lehre machen können um was praktisch Brauchbares zu lernen. Aber jetzt war halt Schule angesagt. Irgendwie.
Herr und Frau X., er in seinem Großraumbüro, sie in ihrem Krankenhaus, sehnten sich nach Feierabend, sehnten sich nach Ruhe, sehnten sich nach Liebe ..., aber es würde noch bis in den Abend dauern, bis sie den stressigen Rückweg hin zu ihrem trauten Heim würden antreten dürfen. Beide hatten jetzt die Mitte 40 überschritten. Die ersten grauen Haare wurden sichtbar. Der Alltag zerrte und zehrte an beiden. Es würde noch viele Jahre dauern, bis sie ihre Renten würden genießen können, ob nun Riester-Renten, Altersrenten aus der staatlichen Rentenversicherung, Berufsunfähigkeitsrenten, oder das bißchen Geld, das sie in einem Bausparvertrag und in Lebensversicherungen sicher angelegt hatten. Bis dahin würde sich ihre Freude am Leben sehr in Grenzen halten.
Wen von den Vieren hätte sich Schnuffi zum Vorbild nehmen können? Sollte er wie die anderen in die Schule gehen, in ein Großraumbüro, in ein Krankenhaus, um dort den eigentlich schönen Tag zu verbringen? Da fiel ihm die Wahl ganz schön schwer. Oder er wählte lieber erst gar nicht, sondern blieb einfach beim Fernsehen, bei Milchdrinks und gutem Futter und viel Schlaf. Wenn er mal 'raus mußte, erledigte er das rasch im Garten bei den bunten Blumen, um schnell wieder zu seinem Lieblingsplatz zurückzukehren.
Auf der Straße sah man ihn nur noch selten.
Konnte Herr X. ihm nicht einfach ein Vorbild sein? Der war doch auch ein Mann, wenn auch kein Hund. Wie hätte Schnuffi besser leben können, wenn er sich an Herrn X. ein Beispiel genommen hätte? Solche und ähnliche Fragen gingen Frau Y. eine Etage höher heute durch den Kopf.

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 16.07.2016 16:36 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Herr X. war in seiner Jugend sportlich gewesen, war geschwommen, gelaufen, hatte Handball gespielt, war mit unter 20 sogar bei einer Gruppe "Pfadfinder" gewesen. Jetzt ließ ihm sein Beruf für solche Dinge keine Zeit mehr. Oder auch keine Lust mehr. War er in den letzten Jahren noch gelegentlich mit ein paar Leuten Laufen gegangen, war auch das jetzt eingeschlafen, und ersatzweise saß er nun mehr vor dem Fernsehapparat, ähnlich wie seine beiden Kinder, die scheinbar vom SMS-Schreiben, Whats-Appen, Surfen im Internet, Fernsehen und den ganzen Videospielen nicht genug bekommen konnten, und bei denen Sport und Bewegung in freier Natur eigentlich keine große Rolle mehr spielte. Eigentlich gar keine Rolle, zumal der "Schulsport" der zuständigen Lehrerin auch keinen Spaß machte und sie ja dafür auch gar nicht ausgebildet war ... Wozu diese hektischen Bewegungen, dieses Herumzappeln von Armen und Beinen bei diesem "Sport"? Außerdem ..., Sport bringt einen zum Schwitzen, das strengt an, das macht einem Seitenstiche, das ist eklig, meinten Nina und Sven. Das mußten die Leute damals unter Hitler machen. Wahrscheinlich den ganzen Tag lang. Damals durfte man sicher nicht mal einen Johnny auf dem Schulgelände durchziehen ... vor lauter Sport und Disziplin ... Kein Wunder, das paßte zu dieser Steinzeit und den vielen komischen alten Leuten, die man als kleines Kind noch kennenlernen konnte ...
Heute war das schon ein bißchen lockerer. Heute konnte man mal abhängen, mal chillen ... Irgendwie brachte man die Zeit in der Schule herum, irgendwas mußte man ja tun um nicht einzuschlafen und vielleicht vor Langeweile zu sterben. Anstrengen konnte man sich auch bei Videospielen. Und beim Sex. Und etwas rauchen und lustige Pill'chen einwerfen machte einfach mehr Spaß als der blöde Sport. Meinten Nina und Sven.
Wenigstens erfüllten Herr X. und seine beiden Kinder ihre Pflichten: Herr X. in seinem Großraumbüro als Personalchef oder "Staff Manager", wie das heute hieß, und Nina und Sven in der Schule. Pflichterfüllung hatte ja in diesem Land eine lange Tradition. Wenn Schnuffi zuhause wenigstens seine Pflichten erfüllte, dann konnte man somit ja eigentlich nichts beanstanden. Allein, er wirkte halt doch ziemlich passiv und schlapp, von "Agression" keine Spur mehr. Was, wenn er jetzt mal in seiner Eigenschaft als "Security" der Familie tätig werden müßte? Konnte er sowas noch? Das wußte man nicht so genau, aber eigentlich war es auch nicht so wichtig, denn dafür gab es ja heute eigens ausgebildete verlässliche Kräfte die man herbeirufen konnte. Ob seine Schlaffheit nicht doch Nachteile mit sich bringen würde?
Soviel Schlaffheit konnte sich Herr X. in seiner Eigenschaft als Staff Manager nicht erlauben, denn da hatte er Entscheidungen über Einstellungen und Kündigungen von MitarbeiterInnen zu treffen und durchzusetzen. Da mußte er knallhart sein, wenn er auch im Zivilleben zuhause einfach ein lieber Typ war. An seiner Berufstätigkeit konnte sich Schnuffi kein Beispiel an ihm nehmen, denn diese Bereiche des menschlichen Daseins blieben ihm und seiner Hundenatur verschlossen ... Wenn schon nicht Herr X. oder die Kinder als Vorbilder für Schnuffi hinsichtlich einer gewissen aktiveren Lebensführung infrage kamen, konnte da nicht Frau X. ersatzweise einspringen und ihm zeigen wie er besser leben könnte? Falls man bei Schnuffi mit Hundipax 500, mit dem vielen Fernsehen und dem leckeren vielen Futter ein wenig das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben sollte, konnte Frau X. vielleicht mit weiblicher Klugheit einen Weg finden, Schnuffi wieder zu einer aktiveren, sportlicheren, bewußteren und verantwortlicheren (?) Lebensführung hinzuführen? Wie war es wohl um ihr "Potenzial" als Vorbild für einen solchen Hund bestellt? Immerhin ging sie immer noch regelmäßig zum Aqua-Fitness im Badeparadies, machte 2 mal pro Woche Nordic Walking in einer fast ausschließlich weiblichen Gruppe, kochte nach der Arbeit öfter als Herr X., und war neuerdings auch in der Liebe aktiver als Herr X. (der früher eigentlich auf diesem Gebiet die "Führungsrolle" gehabt hatte ...) ...
Solche Gedanken bewegten heute - mit Ausnahme des letzten Punktes - eine Etage höher Frau Y.

- Fortsetzung folgt -

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 28.07.2016 17:48 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Was muß zum Beispiel ein Polizeihund können, der nicht gerade nur nach Geld oder Drogen zu schnüffeln hat? Beißen gehört gewiß dazu. Vermutlich sogar gezielt und klug beißen, nicht wahr? Niemand hat ja etwas davon, wenn er, sagen wir mal in eine Schuhsohle hinein beißt, anstatt in das Sitzfleisch oder noch bedeutsamere Stellen bei schlimmen Menschen. Sicher muß er auch mal hinter jemandem her rennen und ihn zum Anhalten bewegen. Oder jemanden von vorne anspringen und stoppen. Was wäre er sonst für ein Polizeihund? Da könnte man ihn ja gleich auf Lebenszeit an einen Schreibtisch setzen. Nein, der Hund muß beißen können, muß auch Leute mal einschüchtern können, so ist es nun einmal.
So ein Hündchen muß das also in der Schule für Polizeihunde lernen. Natürlich muß er gehorsam sei, muß seinem Herrchen und den Vorgesetzten gehorchen, sonst wäre er ja ein Anarchist. Befehl und Gehorsam also. Dann muß er auch überhaupt klug sein, ein gewisses Maß an Intelligenz besitzen, tolerant und freundlich gegenüber Katzen sein, das Leben kennen, ja praktische Lebensklugheit haben. Ein Hund der vielleicht nur die Universität oder die Hundeschule kennengelernt hat, sonst aber nichts gesehen hat, nichts erlebt hat, nie geliebt hat, sich nie mal gerauft hat, nie vielleicht mal eine Marmeladenfabrik oder Wurstfabrik bewacht hat, der den Straßenverkehr nicht kennt, was kann der vom Leben schon wissen?
Und wie sah es jetzt bei Schnuffi aus? Konnte er denn nun für seine Familie X. auch mal erforderlichenfalls eine "Security" in dieser Zeit sein? Fast wie ein Mönch hatte er nun (fast) allem entsagt, war fast wie ein lachender Buddha dick und rund und sehr lieb geworden. Nur in Frau Y.'s Traum wirkte er seltsam flach. Jetzt tat er niemandem mehr weh, machte niemandem mehr Angst; das alles war nun nicht mehr seine Natur. Wie sollte er nun seine Familie schützen, wenn doch einmal die Staatsgewalt lange auf sich warten lassen würde? Sollte man ihn in eine Schule für Kampfsport oder Kampfkünste schicken? Zur Schutzhund-Ausbildung? Und das bei seiner in letzter Zeit enorm gewachsenen Trägheit und Liebe zum Schlaf? Das konnte doch kaum etwas werden. Soviel stand fest. Also war nun Frau X. gefragt. Sie würde nach Dienstschluß mit weiblichem Charme und weiblicher Klugheit aus dem Hund einen Kämpfer für Familie und Gerechtigkeit machen!

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 30.07.2016 14:34 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Zuerst kam da ein Versuch mit Nordic Walking in der Fast-nur-Frauen-Gruppe dran. Das scheiterte schon beim Aussteigen aus dem Auto am Waldrand. Als Schnuffi die ganzen sportlich gekleideten Frauen herumstehen und dem Sport entgegenfiebern sah, spürte er, daß es jetzt Zeit war entschlossen auf seinen Lieblingsplatz zu warten, auf warme Milchdrinks und das Fernsehen. Und er ließ sich nicht aus dem Auto herausziehen.
Zum Aqua-Fitness-Training im Badeparadies konnte Frau X. ihn verständlicherweise nicht mitnehmen.
Zu Hause nahm sie Schnuffi mit auf die Wiese vor dem Haus, machte ihm Übungen aus dem tollen Trainingsmanual "Fit ohne Geräte" von US-Militär-Ausbilder Mark Lauren (nicht alles aus USA ist nur schlecht; allerdings ist die englische Version deutlicher beim Erklären) vor um ihn zu inspirieren, aber erfolglos. Er blieb einfach schlaff liegen, oder begann nach drinnnen in Richtung Lieblingsplatz zu kriechen.
Auch ein paar Versuche eines verlängerten Gassi-Gehens scheiterten auf Grund der Neigung des Hundes, sich einfach hinzusetzen oder hinzulegen und bis zur Umkehr zu warten.
Dann fiel ihr ein, Schnuffi vielleicht durch die Anwesenheit des schönen Geschlechts zu reizen und zu Sport und Aktivität zu verlocken. Man müßte ... zur passenden Zeit ... eine nette Hündin ausleihen, natürlich dabei etwas auf die beiden aufpassen, und das würde Schnuffi einen ganz neuen Antrieb verleihen, würde ihn auf Sport, Leistung und Beschützer-Instinkt geradezu mit Naturgewalt und Ur-Instinkt fliegen lassen ...

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 06.08.2016 21:27 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Ja, die Besitzerin der wunderschönen, knapp drei Jahre alten Bella, Frau Z., war gleich einverstanden gewesen, und alles hatte gepaßt. Schnuffi lag - noch vor dem Wochenende, es war gerade mal Donnerstag-Nachmittag - auf seinem Lieblingsplatz und sah eine seiner Lieblingssendungen an. Frau Z. kam mit Bella herein, und Schnuffi guckte sie an, und dann weiter seine Lieblingssendung.
Von Frau Z. ermutigt, trat Bella etwas näher an Schnuffi heran, beschnuffelte ihn und stupste ihn an, und er blickte auf zu ihr. Und wo sie schon einmal da war, versuchte Schnuffi gleich einmal bei ihr zu trinken. Worauf Bella mit einem großen Satz an Frau Z. empor sprang, die sie mit Armen und Händen auffangen mußte. Somit konnte auch dieser Versuch als Fehlschlag gewertet werden, zumal Schnuffi sich wieder seiner Lieblingssendung zugewandt hatte und sich nicht weiter stören ließ.

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 15.08.2016 19:24 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war der volle Mond zu sehen, unterbrochen von Nebeln und schnell am hellen Himmel dahinziehenden Wolken. Schnuffi lag mit kurzen und flachen Atemzügen auf seinem Lieblingsplatz und träumte unruhig. Seltsam: Lange hatte er nicht mehr so richtig geträumt. Heute aber schon. Im Fernsehen hatte er eine Katze gesehen die der vor Jahren verstorbenen Miezi erstaunlich ähnlich sah, und sie hatte ihm immer wieder zugewinkt, gestikuliert und versucht, zu ihm in ihrer Art zu sprechen. Schaurig. Wenn ihn auch sonst kaum mehr etwas erreichte wenn er Futter, Drinks und Fernsehen hatte, dies hatte ihn wirklich aufgewühlt und mitgenommen. Sicher liebte er seine Familie. Sicher hätte er sich für sie eingesetzt, hätte sich unter ihren Tisch gelegt, ihnen vielleicht das richtige Fernsehprogramm eingeschaltet, damit es allen gut ging. Sogar von seinem Lieblingsfutter hätte er den anderen was abgegeben. Aber die Beziehung zu Miezi war anders gewesen, wenn sie auch eine Katze war. Sie war älter gewesen, und wohl auch klüger. Als er frisch aus der Hundeschule zur Familie X. kam, hatte sich Miezi seiner angenommen und ihn manches gelehrt. Wie naiv war er früher gewesen ... Die alte Katze hatte ihn über manche Seltsamkeit der Welt aufgeklärt. Seltsam, jetzt konnte er sich kaum noch an all das erinnern ... Ruhelos wälzte er sich hin und her.
Und von Dach fiel vor dem hellen Mondlicht ein Schatten wie der einer riesig großen Katze auf den sauber gemähten Rasen vor dem Haus ...

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 04.09.2016 11:10 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Kaum hörbar öffnete sich die Wohnungstür im Parterre. Der Schatten einer Frau wanderte lautlos und konsequent zügig an den Wänden und Fußböden der nur im Schlafzimmer und Wohnzimmer erleuchteten Wohnung entlang, bis er in der noch dunklen Küche erschien. Die angebrochene und die noch volle Packung Hundipax 500 verschwanden beide blitzartig in ihren Taschen, nach der Art wie eine geübte Katze eine Maus fängt,
und so lautlos wie sie gekommen war ging sie wieder. Als Frau X. wieder aus dem Keller heraufkam, war die Tür geschlossen, so daß sie aufsperren mußte. Wahrscheinlich hatte ein Luftzug sie zugeschlagen ...
Verblüfft hatte Frau X. das Fehlen des wichtigen Medikamentes festgestellt. So blieb das Hundefutter für heute mal "ohne". Abends würde sie das Hundipax dann ja wohl ganz sicher wiederfinden, denn irgendwo mußte es ja sein ...
Frau X. fuhr mit dem Bus in ihre Klinik, und Schnuffi hatte die Wohnung für sich.
Frau Y. hatte sich wieder hingelegt, und sie erwachte heute erst zwei Stunden später als gewöhnlich. Und sie entdeckte mit Erstaunen neben sich zwei Packungen ihr völlig unbekannter Medikamente, die offenbar zur Verabreichung an Hunde gedacht waren. Es fiel ihr nicht ein, von woher und wie diese Medikamende in ihre Wohnung gelangt sein konnten ...

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 11.09.2016 09:46 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Ich glaube, Frau Y. ist sich nicht ganz sicher, ob sie mir die ganze Wahrheit erzählen soll. Wie konnte sie nur in die Wohnung von Familie X. gehen und das Hundipax 500 stehlen? Ja! Sie hatte es damals einfach eingesteckt. Das war Diebstahl. Vielleicht hatte sie sogar kalkuliert, Familie X. würde vor dem Wochenende vor lauter Stress nicht mehr den Weg zur Apotheke schaffen, und Schnuffi bekäme sein Medikament nicht. Ein unwiderstehlicher Drang hatte sie wie an den Fäden einer Marionette dazu geführt, und sie hatte sich geschmeidig und unhörbar bewegt. Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sie etwas gestohlen.
Als sie einige Zeit lang überlegt hatte, war ihr langsam klar geworden, wo die beiden Packungen des Medikamentes für Hunde herkamen. Sie hatte auf ihre Hände gesehen und in den Fingerspitzen ein seltsames, vorher nicht gekanntes Kribbeln gespürt ... Ihr war, als ob ihre Fingernägel und Fingerspitzen ein seltsames Eigenleben entwickelten. Fast meinte sie, sie sollte jetzt auch ihre Hände zum Gehen benutzen, tat es aber nicht, denn wozu auch? Und doch ... als sie ihre Hände auf den Tisch legte spürte sie das Holz wie nie zuvor mit den Handinnenflächen. So mußte wohl ein Tier den Boden empfinden, wenn es ihn mit den Pfoten berührte.
Und ihr Blick fiel auf die beiden Packungen Hundipax. Und wütend fauchend schlug sie beide mit einer Hand vom Tisch, daß sie gegen die Wand klatschten und man das Glas der Fläschchen darin zerbrechen hörte. Erschreckt schaute sie auf ihre Hand, die wie die Pfote einer Katze zugeschlagen hatte. Und wie hatte sie gerade gepfaucht? Sowas hatte sie noch nie getan. Nie im Leben hatte sie Tierstimmen imitiert ...

----------
Korrigiert, nachdem Frau Y. mich darauf aufmerksam gemacht hat: Sie hat nur mit einer Hand zugeschlagen und das Hundipax vom Tisch gefegt.

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 02.10.2016 10:56 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 03.2010
Beiträge: 11977
Wohnort: Mitten in Deutschland
Geschlecht: männlich
Schnuffi war früher ein so männlicher Hund gewesen. Frau Y. war davon nicht sehr begeistert gewesen. So ungestüm wie er damals gewesen war, wußte man nie so recht, ob sich seine Wildheit nicht vielleicht einmal gegen einen selber richten könnte. Das waere ja immerhin moeglich gewesen. Oder gegen andere Menschen. Was, wenn der einen biß? Was, wenn er durch einen Biß einen Schaden anrichtete? Moeglich war es ja immer. Und immerhin: Ein Biß durch einen Hund kam einer Körperverletzung gleich, und vielleicht sogar einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung. Konnte man daran sterben? Wie böse waren solche Hunde wirklich? Das war gar nicht leicht zu sagen. Schnuffi war manchmal eine lebendige Verkörperung von Aggressivität gewesen. So wild zu knurren ..., so zu geifern und die Zähne zu fletschen ... Das war vermutlich nicht normal. Und bezeugt war, dass er mehrfach andere Hunde gebissen hatte. Und sogar einen Menschen! Das durfte er nicht! Das hatte im Haus niemand sonst getan. Weder Frau Y., noch das Ehepaar X. und auch nicht die beiden Kinder. Schon in der Hundeschule war er damit aufgefallen. "Schnuffi fügt sich nur schwer in die Gemeinschaft mit den anderen Hunden ein", stand in seinem Abschlußzeugnis. Bedenklich.
Und jetzt? Heute war Frau Y. durch den Garten gegangen. Wie durch Zufall fiel im Vorbeigehen ihr Blick durch das Fenster des Fernsehzimmers von Familie X. und auf Schnuffi in seinem Koerbchen. Und seltsam, Schnuffi lag dort wie ein Spielzeugtier aus einem Spielwarengeschaeft. Nachdenklich hatte Frau Y. Blumen gepflueckt. Fast konnte man meinen, nur der Fernsehapparat dort strahlte mit seinem hektischen Flimmern soetwas wie Leben im Fernsehzimmer der Familie X. aus. Schnuffi lag nur ruhig da, und man musste genau hinschauen, um bei ihm das Heben und Senken des Brustkorbes beim Atmen sehen.

_________________
blick auf zum Himmel,
zu den Wolken und zu den Sternen !

Zeitweilig gestohlen von Silberkater


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 188 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1 ... 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker