Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 02.10.2016 21:45 
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Und am Nachmittag trug Sven im Auftrag seiner Mutter Schnuffi vor die Tür und in den Garten, damit er dort die üblichen geschäftlichen Dinge erledigen würde, wie Hunde es zu tuen pflegten. Jedoch, bei der ersten Bewegung dort brach er zusammen, und die anwesenden Familienmitglieder dachten schon, sein letztes Stündlein hätte geschlagen. Zwischen den Blumen lag sein massiger Körper und regte sich nicht. Was tun? Den Tierarzt rufen? Zum Tierarzt fahren? Herrjeh! Kaum, daß er atmete, und Frau X. konnte kaum Herzschläge bei ihm spüren und hören. Frau Y. hatte die Szene vom ersten Stock aus miterlebt und kam heruntergelaufen. Der einstmals stolze und wilde Hund lag da ... als wenn er schon verstorben wäre. Frau Y. beugte sich zwischen Frau X. und Sohn Sven zu ihm herab ... und legte ihre rechte Hand auf ihn ... Und ein Zittern ging durch den Körper des Hundes. Frau Y. konnte ihre Hand nicht wegnehmen. Wie ein Magnet zog Schnuffi sie an, oder sie ihn. Und ein weiteres Mal pfauchte Frau Y. ungewollt und formte mit der Hand eine Pfote wie die einer Katze ... Schnuffi bellte kurz und verdrehte die Augen, und mit einem Ruck lösten sich die Frauenhand und der Hundekörper voneinander. Schnuffi schüttelte den Kopf, gähnte und richtete sich langsam auf, bis er schwankend auf allen Vieren zu stehen kam. Und seine Pfoten machten eine ungewohnte Bewegung, wie als wenn eine Katze die Krallen ausfahren wollte ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 09.10.2016 20:30 
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Mit aller Gewalt hatte Miezi die Kontrolle übernommen: Schnuffi hatte sich durch die ungesunde Lebensart einen saftigen Diabetes Typ II zugezogen. Das schlechte, teure, sehr stärkehaltige Futter und die zuckrigen Milchdrinks hatten ihm garnicht gut getan. Miezi zog ihn sozusagen mit ihrer Willenskraft aus dem nahenden Koma, und startete zugleich Schnuffi's Stoffwechsel in Richtung Zuckerverwertung und Leistung, und zwar durch die Macht ihres Geistes und ihren Drang zur Bewegung. War soetwas denn möglich? Aus medizinischer Sicht sicher ein etwas fragwürdiger Tipp, aber was hätte eine Katze auf die Schnelle tun können? Nach der Erledigung der geschäftlichen Dinge, wie beschwerlich es auch war, wankte Schnuffi durch den Garten und ging vielfach im Kreis um die Rabatten mit dem kleinen Teich mit dem wasserspeienden Frosch in der Mitte herum. Sven, Frau X. und Frau Y. waren sprachlos. Immer wieder legte Schnuffi Pausen ein, raffte sich dann wieder auf und ging weiter, und schließlich ging er langsam an den Außengrenzen des Grundstücks entlang, bis er nach einer halben Stunde wirklich total erschöpft war. Äußerlich merkte man es ihm nicht direkt an, aber innerlich spürte er, daß die Katze ihn beseelt hatte. Sie sprachen die ganze Zeit über wortlos miteinander. Und er merkte wie sein Blick verschwamm, wenn sich manchmal die Pupillen seiner Augen zu senkrechten Schitzen zusammenzogen. Auf der Terasse sitzend schauten die drei Menschen ihnen zu.

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 21.10.2016 19:48 
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Wie konnte soetwas nur geschehen? Der Geist einer verstorbenen Katze übernimmt bei einem Hund das Kommando? Das ist doch eigentlich Hokuspokus, normalerweise? Aber so war's nun mal. Miezi hatte, noch bevor sie verstarb, mitbekommen, daß es um das Schicksal der Familie X. nicht zum Besten stand, nicht zuletzt um das der Kinder. Manches lief scheinbar in eine falsche Richtung. Sie ahnte die baldige Scheidung von Frau und Herrn X. bereits voraus, und daß die Kinder nichts rechtes lernen würden, sondern weich, verwöhnt, verzogen und disziplinlos vor sich dahinleben würden, keine richtige Bildung erwerben würden, und daß wohl daher auch beruflich und familienmäßig für beide nicht viel drin war. Auch um Schnuffi machte sie sich Sorgen: Er war zwar ein richtiger Hund, aber an Klugheit bei seinen Entscheidungen mangelte es ihm doch manchmal ganz erheblich. Spontan konnte er schon oft das Richtige tun, wie es ihm seine Natur auftrug, auch die richtigen Leute anknurren, oder auch mal beißen ... Aber mit dem Denken tat er sich oft schwer. Als Miezi starb, konnte sich ihr Geist nicht aus der Sphäre der Lebewesen lösen, und immer schwebte er um das Haus der Familie und um Schnuffi herum, und sie beobachtete sie.
Frau Y. hatte Miezi keine geistige Bleibe und Wirkungsstätte bieten können, denn dazu war sie einfach zu sehr Mensch. Als Miezi nun sah, wie schlimm es um Schnuffi stand, und wie schwach und zunehmend krank er zuletzt war, schlüpfte sie mit hinein in seinen Körper, und so war es jetzt. Ja.

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 05.11.2016 19:54 
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Miezi war als Katzensäugling ausgesetzt worden. Eine Katze mit Jungen in der Nachbarschaft hatte sie gesäugt, und so war sie ohne die eigene Mutter groß und stark geworden. Halbwild tat sie bald was sie wollte, und folgte dem Beispiel ihrer eigenwilligen Ziehmutter, die ihren Jungkatzen allesamt beibrachte, nur zu tun was sie selber wollten. (Wie macht man soetwas überhaupt?) Die Umstände taten ein Übriges, und bald war Miezi von Hunden und Katzen ringsum respektiert, zumal sie recht wild werden konnte und man ihre Krallenschläge und Bisse fürchtete. Als sie 9 war, irritierte sie ein frecher Spatz dem sie dummerweise nachjagte einen Moment lang, und schon war sie vor ein Auto gelaufen. Damals nahm die neu hinzugezogene Familie X. sie auf und ließ sie vom Tierarzt versorgen, und auch Frau Y., eine alleinstehende Kriminalbeamtin im selben Haus, kurz vor dem Pensionierungsalter, kümmerte sich um sie. Seitdem konnte Miezi nur noch drei Beine richtig gebrauchen, und bei der Jagd mußte sie nun besonders geschickt vorgehen, um ihre Nachteile auszugleichen. Kätzchen hatte sie schon mit 4 und 6 Jahren gehabt, und daher konnte sie sich jetzt mehr dem Nachdenken und der Meditation widmen. Dennoch hatten die Mäuse in der Nachbarschaft nie viel zu lachen gehabt, denn Miezi war sehr geduldig, unauffällig und geschickt. In den letzten drei Jahren ihres Erdendaseins war Schnuffi dann ihr Schüler geworden, nachdem er auf der Hundeschule nicht viel gelernt hatte und ohne Verwandte aufgewachsen war. Der Umgang mit Miezi hatte ihn ganz erheblich geprägt. Immerhin wurde Miezi fast 20 Jahre alt, und ohne große Umstände verstarb sie und wurde im Garten des Hauses beerdigt. So ungefähr hat man es mir erzählt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 26.11.2016 21:36 
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Scheinbar beschäftigt und an irgendwelchen Sonderangeboten interessiert, schlenderte der junge Mann herum und blieb mal hier oder dort stehen. Dabei richtete sich sein Blick verstohlen auf die Einkaufstasche, die Frau X. an die Innenseite des Einkaufswagens gehängt hatte. Wendete Frau X. vielleicht den Blick in seine Richtung, drehte er geschwind den Kopf weg, oder schaute intensiv auf eine schnell ergriffene Packung Donuts oder sonst irgendwas. Als Frau X. den Kopf wieder ihren Einkäufen zuwandte, wanderte der Blick des jungen Herrn gleich wieder in Richtung Einkaufstasche, und er bewegte sich langsam und möglichst unauffällig näher an den Einkaufswagen der Familie X. heran. Und im Vorbeigehen, wie als ob seine Hände über den Tasten eines Klaviers schwebten und die Zeit sich verlangsamte, griff er in die Einkaufstasche und zog das darin befindliche Portemonnaie von Frau X. lautlos heraus. Frau X. studierte derweil die lange Einkaufsliste und packte Brot und Knäckebrot ein, und sie bemerkte von dem dreisten Diebstahl scheinbar überhaupt nichts. Als sie sich umdrehte, hing die Einkaufstasche unauffällig und unverdächtig im Einkaufswagen, und der junge Mann war schon auf dem Weg um die nächste Ecke und zur Kasse, wo er eine im Vorbeigehen ergriffene Flasche Schnaps und ein paar Zigaretten bezahlen und geschwind den Supermarkt verlassen würde. Und Schnuffi hatte alles gesehen. Und nicht mal gebellt. Brav hatte er dagesessen. Eigentlich hätte er schon bellen gewollt. Sogar auf die Idee, den Unhold zu beißen war er gekommen. Aber irgendetwas hatte ihm eingegeben, jetzt mal - entgegen früheren Gewohnheiten - einfach gar nichts zu tun. Und er war versucht, wie eine Katze zu schnurren, was ihm in letzter Zeit öfter mal passierte. Ja, gerade in diesem Moment hörte er eine Katze schnurren, wie als ob die gerade recht vergnügt war. Und weiter ging der Einkauf. Und als es an der Kasse ans Bezahlen ging, mußte Frau X. passen. Der ganze schöne Einkauf ging zurück, und der neue Praktikant wurde mit dem Einkaufswagen durch den ganzen Laden geschickt, um die Waren gleich wieder korrekt einzusortieren, was für ihn eine gute Übung war. Frau X. hatte es als peinlich empfunden und war errötet. Kopfschüttelnd ging sie mit Schnuffi hinaus. Grübelnd und übellaunig stieg sie samt Schnuffi in die Familienkutsche, die sonst meist ihr Mann fuhr, und zurück ging es nach Hause. Das Portemonnaie blieb verschwunden. Ganz ähnlich wie die neue Packung Hundipax 500, die sie gerade erst gekauft hatte. Das war nunmehr die dritte verschwundene Packung, und keines der Mitglieder der Familie X. konnte sich das erklären ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 28.11.2016 21:19 
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Ein andermal war nachmittags menschlicherseits nur die Tochter des Hauses, Nina, in der unteren Mietwohnung des Hauses anwesend, als gleich zwei Leute klingelten und - mit einem Empfehlungsschreiben und einer behördlichen Genehmigung mit amtlichem Siegel versehen - um eine Spende für den Schutz der Kinder in der dritten Welt baten: Um dort in der weiten Welt, wo die Armen lebten ... die Kinder wirksam zu schützen und ihnen eine Ausbildung und eine berufliche Perspektive zu bieten. Nina sagte "Moment bitte ..., ich bin gleich wieder da", schloss schnell wieder die Tür und ließ die beiden draußen einen Moment lang warten, bereute es im nächsten Moment, fand es andererseits auch richtig, denn irgendwie mußte man ja vorsichtig sein, konnte sich nicht einfach entschließen, und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Mauer neben der Tür, denn .... hmmm ..., sie wußte nicht was sie da tun sollte. Geld hatte sie selber eher wenig, und im Moment leider gar keins, denn ihr Taschengeld reichte eh kaum für all den Schnickschnack, die Mode-Klamotten, das Tablet und ihr Smartphone, sowie das Süßzeug, das sie sich möglichst täglich und reichlich kaufte ... Herrjeh! Aber natürlich mußte man den Armen helfen! Schon in der Schule im Ethik-Unterricht hatte sie gelernt, wie böse es in der Welt zuging, und daß man daran auch etwas ändern konnte. Man mußte es nur wollen, und dann konnte man auch. Da gab es keine Ausrede mehr wie bei den alten Leuten, die sich früher so übel herausgeredet hatten, denn die alten Zeiten waren jetzt vorbei, und jeder Mensch war jetzt seinem Gewissen und der Gemeinschaft gegenüber verpflichtet, solidarisch zu sein. Und die beiden da draußen sahen irgendwie ja auch arm aus, und sie hatten offenbar das Recht, Spenden zu sammeln; wie konnten sie also böse Menschen sein? Also ließ Nina sie herein, und bot ihnen am Tisch in der Küche einen Platz an. Bald würden ja Sven und die Eltern wieder nach Hause kommen, und dann würde eine Spende auch in Form von Geld möglich sein. Im Fernsehzimmer lag Schnuffi und rührte sich nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 04.12.2016 11:58 
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Herrjeh! - wie konnte die Geschichte jetzt weitergehen? War es klug von Nina gewesen, die Leute in die Wohnung zu lassen? Was hätte da alles passieren können? War es nicht zu gefährlich? Konnte es zu Sachbeschädigungen oder zu Diebstahl kommen? Was, wenn nachher Wertgegenstände fehlten? Sollte Nina sich darum Sorgen machen? Warum? Was gab es in der Wohnung der Familie denn schon großartig Wertvolles das jemand hätte stehlen können? Nichts. Jedenfalls nichts was Nina für so riesig wertvoll gehalten hätte. Warum auch? Sie hatte noch nie Geld verdienen gemußt. Alles Geld für ihre Klamotten, für den Elektronik-Kram, für Smartphone, mp3-Player, Tablet, Laptop und die ganzen Videospiele, und auch für Schmuck, hatten ihre Eltern und die weit enfernt wohnenden Großmütter ausgespuckt, und dann noch ein bißchen der Onkel Friedrich aus A-Dorf, und die Tante Gertrude aus B-Dorf, beide noch richtig alte Leute mit ziemlich komischen Ansichten, das einem schlecht davon werden konnte, bestimmt beide alte Nazis, gute Güte. Dann fiel Nina ein, daß da die Sammlung von Silbermünzen im Wohnzimmerschrank lag, die Herr X. seit vielen Jahren angelegt hatte, und von der beide Eltern gelegentlich sprachen. Komische, blanke, silbrige Münzen die kein normaler Mensch kannte, mit alten Politikern und Adlern drauf. Verdammt! - die konnten natürlich geklaut werden. Hmmm ... Nina's Vater wäre bestimmt ziemlich zornig geworden, denn diese Silbermünzen waren ein Steckenpferd von ihm. Dafür könnte man immerhin ein kleines Auto kaufen, hatte er neulich gesagt. Und - herrjeh! Der Schmuck ihrer Mutter! Frau X. hatte von ihrer Frau Mama und ihren Großmüttern einiges an Schmuck geerbt ..., nicht riesig wertvoll, aber auch nicht gerade wertlos. Hmmm ... Nina mußte also auf die Gäste ewas aufpassen, damit nichts anbrennen konnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 09.12.2016 22:34 
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Während Nina noch überlegte, Kaffee für die beiden Gäste kochte, nachdachte, auch daran dachte, schnell und unauffällig eine ihrer Freundinnen anzurufen, damit sie schnell her käme und beide dann gemeinsam die Situation im Haus besser unter Kontrolle hätten und diebstahlsicherer gestalten würden, hielt ihr plötzlich eine der beiden Personen mit einem schnell ergriffenen Handtuch den Mund zu, während die andere Person ihr die Arme auf den Rücken drehte. Als sie sich dem Griff entwinden wollte, bekam sie einen Stoß in den Bauch, daß ihr die Luft weg blieb. Nun wurde sie auf den Fußboden gedrückt. Der in der Küche stehende Staubsauger kam den Gästen gerade recht, und im Nu war das Kabel komplett herausgezogen und mit einem scharfen Küchenmesser aus einer der Schubladen vom Staubsauger abgetrennt. Nina war es nicht angenehm, aber sie mußte es sich gefallen lassen, ziemlich unsanft berührt und mit dem Staubsaugerkabel gefesselt zu werden. Dabei bekam sie nun ein Geschirrtuch in den Mund gedrückt, und dieses wurde mit einigen Windungen vom breiten Paketklebeband um ihren Kopf herum als Knebel fixiert, so daß sie nicht mehr laut werden konnte, was sie auch lieber gar nicht versuchte. Mehr als "hhhmmmmmMMMMM! mmmmmmhhhhhhhh!" konnte sie gar nicht sagen. Zur Sicherheit bekam sie auch gleich noch Klebeband über die Augen geklebt, so daß sie praktisch nichts mehr sehen konnte.
Von Schnuffi nebenan aus dem Fernsehzimmer war kein Laut zu hören. Als Nina die Spendensammler ins Haus gelassen hatte und auch danach, hatte man von ihm nichts gehört. Nicht mal die Geräusche des Fernsehers kamen aus seinem Zimmer, was aber nicht erstaunlich war, denn seit zwei Wochen oder länger schon hatte er seltsamerweise den Fernseher nie ein- sondern immer nur ausgeschaltet, wo Mitglieder der Familie ihn vielleicht zuvor eingeschaltet hatten.
Als die beiden Leute nun mit Eifer daran gingen, die Wohnung zu durchsuchen, und dabei auch in Schnuffi's ehemaliges Fernsehzimmer schauten, fiel ihnen da kein Hund auf, denn er war einfach nicht da, was sie nicht störte, da sie von seiner Existenz auch gar nichts wußten. Verhaltene Jubelrufe waren bald aus dem großen Wohnzimmer zu hören, als die beiden die Silbermünzen der Familie ganz unten im Schrank gefunden hatten ( in der abgeschlossenen Schublade, ganz hinten, hinter den echten Bienenwachskerzen, in der sorgfältig verschlossenen großen Kassette mit dem Sicherheitsschloß..., auch wenn sie noch nicht wußten was sie da wohl gefunden hatten ... ), denn die Schwere sprach für sich. Und ein paar Minuten später gleich nochmals, als sie den Schmuck von Frau X. im Schlafzimmer von Herrn und Frau X. zwischen Schlüpfern und Nachtwäsche fanden, wo die Schmuckschatulle stand. Was für ein Glanz! Als alles durchsucht war, gingen die beiden zurück in die Küche, in der Nina in derselben mißlichen Lage lag, in der sie sie zurückgelassen hatten: Zusammengeschnürt und auf dem Bauch. Eine der beiden Personen kam noch auf den Gedanken, mal ganz hinten in den Hängeschrank der Küche zu greifen und da etwas herum zu tasten. Bingo! Da war eine große Tasse mit 400 EURO in zusammengerollten Schein'chen darin. Jetzt hätte man noch schauen können, ob Nina etwas von EC-Karten und Pin-Codes wußte, was sie den beiden Leuten hätte verraten können, um dann damit Geld abheben zu gehen ... Aber es war spät. Was sollten sie tun? Nina den Knebel abnehmen und sie ernsthaft befragen, vielleicht nach EC-Karten suchen, und wer-weiß-was unternehmen, damit auch das noch hinhaute? Sie überlegten. Was beide nicht ahnen konnten, war, daß unter der geräumigen Eckbank der massige Körper eines zwar nicht mehr gut trainierten, aber dennoch ehemals sehr bissigen Hündchens im Halbdunkeln lag, das sich während ihrer Durchsuchung der Wohnung hier hereingeschlichen hatte, nachdem Miezi zuvor größte Mühe gehabt hatte, ihn ruhig zu halten und daran zu hindern, während der Fesselungsaktion einfach in die Küche zu springen und die beiden zu beißen ... Wie hatte sie das bloß geschafft? Und warum hatte sie das getan, wo die Situation doch gefährlich für Nina schien? Hatte sie gespürt, daß Nina nicht in Lebensgefahr war? Schnuffi's Augen behielten nun aus dem Halbdunkel unter der Bank heraus beide Leute im Blick, für den Fall, daß sie Nina ... nun ja, etwas tun wollten. Ja, sein Blick war sehr konzentriert. Mehr als konzentriert, und nur die Vereinigung mit Miezis Geist ließ ihn ruhig und beobachtend bleiben, so daß man nicht einmal seinen Atem oder ein Hecheln hören konnte. Aber nichts geschah. Die beiden Leute schauten auf Nina, schauten aus dem mit Bedacht zuvor fast ganz zugezogenen Fenster, schauten sich an, bedachten, wie lange sie jetzt schon hier im Haus waren, und verließen dann ohne weitere Verzögerung die Wohnung und das Haus. Als sie draussen die ersten Schritte getan hatten, streiften sie die Kapuzen ihrer Sweatshirts herunter, und ihr langes Haar fiel ihnen über die Schultern. Die beiden Personen hakten einander unter und verließen angeregt plaudernd das Grundstück. Man hätte meinen können, sie waren ein paar nette junge Damen auf einem Einkaufsbummel.

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 11.12.2016 14:57 
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Was war das für ein Theater, als zunächst Herr und Frau X., und dann Sven nach Hause kamen, und Nina in der Küche fanden und befreiten! Immerhin: "richtig schlimm was" war ja nicht passiert, aber der Schock war bös' genug, für alle. Die sofort herbeigerufene Polizei sicherte die Spuren, eine Polizeipsychologin unterstützte Familie X. und insbesondere Nina emotional, und nach vielen Tränen, tausend Fragen, und nach einigen vielen ausgefüllten Formularen blieb Familie X. alleine in ihrer Wohnung zurück. Und dann kamen Herr und Frau X. auf die Frage, was denn die Personen in der Wohnung gewollt hattten. Siedend heiß durchlief es sie plötzlich, gemischt mit kalten Schauern, die ihnen die Rücken herunterliefen, und sie stürmten zum Wohnzimmerschrank und ins Schlafzimmer, und stellten den Verlust von Schmuck und Silbermünzen (Polierte Platte! Prägefrisch am Bankschalter gekauft! Mit den Gesichtern von KanzlerInnen und BundespräsidentInnen und Adlern darauf) fest. Sogar der wunderschöne Smaragd-Ring, den Frau X. im Bad auf der Ablage hatte liegen lassen, war fort. Herr X. wurde blaß und mußte sofort einen Schnaps trinken. Frau X. mußte angesichts des Verlustes des Familienschmuckes sofort ein Glas Wein trinken. Sven und Nina schlossen sich an, und bald hatte Familie X. mehr als nur einen Schwips.
Am nächsten Morgen mußten sich Herr und Frau X. wegen einer akuten Magen-Darm-Infektion krank melden, Sven und Nina wurden wegen derselben Beschwerden vom Schulunterricht abgemeldet, und man verbrachte den Tag zu Hause. Verständnisvoll hatte Herr Dr. Simulans, ein Freund der Familie, zugesichert, mit den gelben Scheinen gehe alles klar, und die Familie werde die nächsten drei Tage Dienst- und schulfrei haben. Und während man jetzt Tee trank und Schonkost zu sich nahm, reifte langsam unbewußt, und immer mehr bewußt die Frage heran, was eigentlich Schnuffi während des Geschehens getan hatte. Schließlich war er offenbar im Haus gewesen. Wieso hatte er nicht eingegriffen und Nina vor den beiden Leuten beschützt? Wieso hatte er nicht das Eigentum der Familie vor den frechen Räubern geschützt? Das brachte Familie X. ganz schön ins Nachdenken ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Erzählungen am Feuer
Ungelesener BeitragVerfasst: 31.12.2016 23:23 
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Schnuffi hatte sich in den letzten Wochen sehr verändert: Er hatte sich selber auf Diät gesetzt und jegliche Süßigkeiten ausgespart. Sozusagen "er", denn ganz alleine tat er das ja nicht: Immer war "sie" dabei gewesen: Miezi. Das leckere und teure Hundefutter hatte er gar nicht mehr genommen und auch andere Sorten aus dem Supermarkt konsequent verweigert. Wie war das möglich gewesen? Kaum hatte man je einen Hund gesehen, der vom "Lust-Prinzip" zum Thema "Diszipin und Konsequenz" übergegangen war. Disziplin und Konsequenz waren schon immer unbequem oder böse gewesen ... Hunden eh'. Nur die ... Alten hatten diese Dinge gewollt, vielleicht weil sie krampfig waren, weil sie zu ernst waren, vielleicht weil sie schlechte Dinge wollten, vielleicht weil sie schlechte Menschen waren, oder vielleicht, weil sie im Fall der Hunde schlechte Hunde waren .... Viel zu tierisch war ja normalerweise die Natur dieser Tiere. Und wie verwirrend: Denkt man bei "Disziplin" und "Konsequenz" nun mal leicht an Fleischlosigkeit und vegetarische Kost, so blieb Schnuffi doch ein Hund und ein Kind und seiner Eltern und der Natur. War er schlecht? War er schlecht gewachsen oder geworden ? Ein materialisierter echter Fehler der Menschheit in unserere Zeit?

Schließlich hatte Familie X. beim letzten noch verbliebenen Metzger in ihrem Ortsteil Fleisch, Pansen und Knochen für Schnuffi kaufen gemußt. Und innerhalb von von vier Wochen verschwand sein Diabetes Typ II fast, als hätte er ihn nie gehabt. Niemals würde er Vegetarier werden! [ich aber doch, jedenfalls weitgehend! Und ich bin ein Mensch! ] Er war und blieb: Ein Hund! Und doch: Alles schien er jetzt in Maßen halten zu wollen, und fast konnte man meinen, er wär' jetzt ein vernünftiger Hund. Ein reiferer Herr vielleicht, der nach den Irrungen und wilden Zeiten der Jugend zu einem passenderen Lebensstil gefunden hatte. Vor dem Fernseher sah man ihn gar nicht mehr. Dafür war er nun oft draußen, selbst bei Regenwetter, ganz wie früher, schaute nach Mäusen oder enfernte sich auch mal eigenmächtig vom Grundstück und machte einen Spaziergang um die Häuser, wo er früher immer humane Begleitung gehabt hatte. War niemand zuhause, blieb er zu Hause.
Noch eine weitere Schachtel Hundipax 500 hatte Frau X. für ihn gekauft und extra im Küchenschrank ganz nach oben und ganz nach hinten gestellt, damit sie nicht auch noch weg käme. Aber Schnuffi entdeckte die Kapseln des teuren Medikamentes in seinem Futter ... und spuckte sie aus. Als Frau X. es bemerkte und dazu überging, die Kapseln zu öffnen und ihren Inhalt über sein Futter zu verteilen, fraß er einfach nicht.
Nicht daß er jetzt schon wieder so fit war wie vor einem halben Jahr, aber es ging, und die Frage lag nahe, wie er sich in Zukunft entwickeln würde.
Seine Passivität bei jenem Vorfall mit den gewalttätigen räuberischen Spendensammlern (mit echtem Spendensiegel! - denn es war echt gewesesen.) und Nina, hatte bei Familie X. Zweifel hinsichtlich seiner Eigung als ... Wachhund und Schutzhund aufkommen lassen. Mindestens hätte er da bellen gesollt. Oder vielleicht den Leuten drohen. Ja, drohen hätte er denen schon können ... hhmmmmm ... Aber er hatte es lieber nicht getan. Und das hatte einen guten Grund: Miezi hatte ihm davon abgeraten.

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