Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 03.06.2020 23:22 
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Vorhin, so vor ca. 3 Stunden, da sah ich in der Innenstadt von Göttingen ("Die Stadt, die Wissen schafft") ein Pärchen, so um die 30, mit alternativem verwaschenen Schlabberlook, also nix Schicki-Micki, sondern irgendwie ein bißchen à la Kommune von vor Jahrzehnten, so wie ich früher auch mal herumlief, irgendwie à la studentische WG von vor 30, 40, 50 Jahren, die hatten beide wahrhaftig eine echte Gasmake auf, so à la Bundeswehr-ABC-Schutz-Maske, wie wir sie im Dienst trugen, und die beiden schlenderten da die Straße lang ...
Also, ich find's reichlich komisch. Wer sowas mag, der / die darf. Dazu meinen ko(s)mischen Segen: 01:rainbow und mein strahlendstes Lächeln: :biggrinn:

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 29.07.2020 22:28 
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Gerade habe ich noch auf die Schnelle beim teuren Schnellkauf-Suuupermarkt in der Nähe eingekauft. Da stand doch ein Hippie-Pärchen an der Kasse vor mir, und der junge Bub' schaute mich ob meiner selbstgefertigten Maske seltsam berührt an. Als er den Blick abwandte meinte ich zu ihm: "Die ist gut, nicht wahr?" Natürlich war klar, was ich damit meinte. Und er: "Naja, die sieht ziemlich durchlässig aus. Ich weiß ja nicht". Und darauf ich: "Ja, ich weiß. Durch diese Maske kann man atmen. Deswegen trag' ich die ja auch. Und warum? Weil ich an den ganzen Käse nicht glaube." Das fand "Madame-Hippie" nicht sehr gut, und sie meinte: "Und das müssen Sie an der Kasse hier jedem erzählen?!" Und darauf ich: "Nein, nicht jedem, sondern nur Euch." Zumal ja auch nur die Verkäuferin zugegen war.
Ist das jetzt die "rebellische Jugend"? Oder ein eher konventionelles Pärchen auf dem Weg zur frühen Vergreisung? Wie sollen die im gehobenen Alter mal "drauf" sein? Was hätten die "echten Hippies" in Woodstock oder Haight-Ashbury zu sowas gesagt? Die Flower-Power-Begeisterten in Germany? Und die APO? Ich weiß nicht ....

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 29.07.2020 23:18 
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Waren die "echten Hippies" in Woodstock überhaupt echt? :biggrinn: Wie steht es da heute mit uns? Na, hoffentlich besser ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 01.08.2020 01:47 
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Vor ungefähr zehn Jahren traf ich im Wald einen ältereren Herrn, damals um die 80, beim Nordic-Walking. Der erzählte mir aus seiner Zeit im III. Reich, in der DDR, und schließlich in der BRD. Eine kleine Geschichte. In der Hitlerjugend wurde er als fast noch kleiner Junge gegen Kriegsende zur Bekämpfung von Panzern in nächster Nähe ausgebildet; d.h. zur Anbringung von Haftminen am feindlichen Panzer, an den man sich vorher möglichst unbemerkt anzuschleichen hatte, und schließlich zur Verwendung der Panzerfaust, mit der man Panzer im direkten Beschuß mit Kupfer-Hohlladungen zerstören konnte. Nebenbei machte er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Zur Panzer-Nahbekämpfung kam er aber nicht, sondern wurde der Flugabwehr mit 8.8-Flak-Kanonen als Hilfskanonier zugeteilt; d.h. er hatte mit schweren Gummihandschuhen die Flak-Grananten anzureichen, sie hinzuhalten, damit der Kanonier die Höhe am Granatenboden einstellen konnte, in der die Flak-Granate explodieren würde, und dann zu helfen, die Granate in den Verschluß der Kanone zu wuchten. Dabei mußte man darauf achten, daß man von den aus der Granate ausfließenden stark ätzenden Flüssigkeiten nichts auf die Haut bekam. Bei seinem eher nicht herkulesmäßigen Körperbau fiel ihm diese Tätigkeit nicht leicht. Nun, der Krieg ging zuende, der junge Mann, oder eher: der Jüngling, ging nachhause, und er mußte keine Kriegsgefangenschaft und kein Verhungern erdulden, denn "die Russen" wollten einen schnellen Aufbau des von ihnen besetzten Teils von Deutschland. Aufgebaut werden mußte damals viel, klaro, da große Teile der Städte in Schutt und Asche lagen. Er machte nun eine Lehre als Maurer in der jungen DDR (das wird hier keine Hetze gegen die Bürger der ehemaligen DDR), denn Maurer brauchte man zum Aufbau nun viele. Die Arbeit fiel ihm nicht leicht; er erzählte mir, daß er fleißig war, aber niemals die Leistung derjenigen Leute erreichte, die von Anfang an Maurer gelernt hatten; bei denen ging das beim Mauern zack!-zack!-zack! - und es lief wie am Schnür'chen bei den kräftig gebauten jungen Männern, während er sich bemühen mußte, überhaupt einigermaßen Schritt zu halten. Eines Abends, nicht weit vor Schichtende, sprach ihn der Polier an: "Du, Rolf, komm' nachher noch kurz bei mir in's Büro." Und er ging nach Arbeitsende zum Polier ins Büro. Und dort bekam er zu hören. "Rolf, jetzt höre gut zu. Morgen geht ein Transport Arbeiter in die Grube Wismut, zur Zwangsarbeit im Uran-Bergbau; die Russen wollen das Uran, und die Leute arbeiten da ohne richtige Schutzausrüstung. Ich kenne die Liste der Leute, die abgestellt werden müssen; Du stehst auch drauf. Wenn Du da hin kommst, lebst Du nicht mehr lange. Rolf, gehe jetzt nach Hause und lass' Dir nichts anmerken; sieh zu, daß es niemand merkt, pack' einen Rucksack und eine Tasche und möglichst wetterfeste Klamotten, und wenn es dunkle Nacht ist, zieh' los und schlage Dich in die West-Zone durch. Marschiere nachts, und vor Tagesanbruch such' Dir einen Platz zum Schlafen; laß' Dich von den Russen und ihren Hunden nicht erwischen, sei vorsichtig. Wie Du die Richtung einhalten kannst, hast Du ja wohl in der HJ-Ausbildung gelernt".
Und Rolf ging nach Hause, ließ sich nichts anmerken und packte.

- Fortsetzung folgt -

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 03.08.2020 00:18 
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Rolf marschierte von Leipzig aus in der Nacht und schlief tagsüber in Verstecken in Wald und Feld. Als er durch die damals russisch bewachte Grenz-Region ging, war er vorsichtig und wurde nicht entdeckt.
Im „freien Westen“ angekommen, fand er gleich Arbeit auf einem ehemaligen Gutshof, ganz in der Nähe der Demarkationslinie zwischen Ost und West. (Als "Flüchtling" aus der sowjetisch besetzten Zone, also aus der jungen DDR, wurde man damals nicht als Flüchtling anerkannt, und durfte als einfacher Mensch nicht auf die Hilfe des jungen BRD-Staates rechnen; das war sogar noch bis Mitte der 50er-Jahre so). Davon erzählte er mit „Ach, Herr G., die Landwirtschaft war brutal. Das kann man sich gar nicht vorstellen, als Städter. Wie mit den Tieren umgegangen wurde, einfach brutal. Mitten auf dem Hof des Gutes gab es nur eine Pumpe die kaltes Wasser hergab. Eines morgens wusch ich mich dort, und der Bauer sah mich und rief mir zu 'Aaahhh! Kultur!'“ Und ich bekam eine Lungenentzündung. Ich kam damals nach Göttingen in die Universitätsklinik, d.h. ich wurde in die Stadt mitgenommen. Dort in der Uni-Klinik stellte man die Lungenentzündung fest, und sagte mir schlicht: 'Ja, Sie haben eine Lungenentzündung. Aber deswegen können wir Sie jetzt nicht krankschreiben.' Ich war verzweifelt, und ich versuchte, mir das Leben zu nehmen. Als ich wieder aufwachte, lag ich in der Uni-Klinik und war gerettet. Ich kam dann nach Tiefenbrunn gleich in der Nähe in eine psychosomatische Klinik. Die Ärzte waren alle ehemalige Wehrmachtssoldaten, und ich wurde dort aufgepäppelt, und bald konnte ich mit den Ärzten Feldhandball spielen. Dort kümmerte man sich herzlich um mich, und ich war glücklich, es so gut getroffen zu haben.“

-Fortsetzung folgt -

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