Die Bank unter der Linde!

Eine Bank, keine Wände aber ein grünes Dach über dem Kopf. Hier genießt das Leben freie Sicht. Es ist nicht nur ein Platz für Lebensfreude, hier kann das Leben selbst Platz nehmen, sowohl in der Sonne als auch im Schatten...einer Linde.
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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 03.02.2012 18:57 
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BlaueVase hat geschrieben:
... das ist eigentlich fast schon eine Geschichte für sich, oder ein Roman-Gerüst ...

Und, schreibst du de(ine)n Roman? :biggrinn: Die Idee ist perfekt!

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Der gegenwärtige Augenblick ist die Türöffnung zu Gott.
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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 04.02.2012 21:30 
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Nee, Wot ich hab mal einen für meinen Sohn (damals 9) geschrieben, das hat mir gereicht...das ist sooooo viel Arbeit.

Und der obig skizzierte Handlungsstrang ist ja nicht mal originell....

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 04.02.2012 22:44 
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BlaueVase hat geschrieben:
Nee, Wot ...

:kez_13_menno:

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 27.02.2013 23:44 
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Als ich die Hälfte meines heutigen Alters hatte, lernte ich eine ältere Jüdin und ihren nichtjüdischen Mann in ihren letzten Jahren kennen, - zwar nur oberflächlich, aber doch mit ungewöhnlichem Einblick in ihre Lebensgeschichte und Familie in Deutschland.
Sie war unter Hitler im Reichsbahnministerium als persönliche Sekretärin eines mittleren Funktionärs ( oder: Managers) der Deutschen Reichsbahn in Berlin tätig gewesen, hatte zeitweilig auch im Krieg und in ihrer Position Fahrpläne für den Verkehr der Eisenbahn erstellt, und sie konnte während ihrer Tätigkeit auch Züge mit zu deportierenden Gefangenen beobachten ("Schauen Sie mal da drüben, Frau K., aber nur vorsichtig. Das geht zu den KLs im Osten. Niemand darf an diesen Zug herantreten." )
Ihren ersten Ehemann hatte sie in einer Zigarrenfabrik kennengelernt, in der sie beide nach der entsprechenden Lehre als Zigarrendreher arbeiteten, - er war als Soldat der Deutschen Wehrmacht frühzeitig in Weißrußland gefallen.
In ihrer Funktion als Sekretärin lernte sie - als Frau aus einfachen Verhältnissen und "nur" mit Hauptschulabschluß - viel über die Eigenarten und Funktionsweisen von größeren Organisationen, und wie man Dinge plant, angeht, durchführt, und wie man mit Menschen umgeht. Selbstverständlig beherrschte sie die Redeschrift der Deutschen Einheitskurzschrift, und hatte eine geschliffene Sprache, sowie Manieren, Fingerspitzengefühl und Anstand. ( Ihr geschärftes Mißtrauen gegenüber Fremden, welches sich wohl in Krieg und Nachkriegszeit entwickelt hatte, paarte sich mit tiefer adventistischer Religiösität und einem Willen zum Dienst für Gott und die Menschen, so daß sie sich in ihren mittleren Jahren mehrfach als Lebensretterin betätigen konnte, bishin zum instinkthaften Erahnen eines bevorstehenden Selbstmordes in den 60er Jahren, zu dem sie und ihr Mann - auf ihre Initiative hin - gerade noch rechtzeitig kamen und eigenmächtig eine massive Wohnungstür aufbrachen, um einem blutüberströmten Selbstmörder gerade noch das Leben zu retten. )
Sie überlebte also in Berlin das NS-System, den Krieg mit seinen massiven Bombardierungen, und dann die Wirren, den Terror und Hunger der Nachkriegszeit. Bald nach dem Krieg lernte sie ihren zweiten Mann kennen, einen einfachen aber sauberen und ordentlichen Herrn in zerschlissenem Anzug, der nach seiner in jungen Jahren absolvierten Lehre als Orthopädie-Mechaniker (für Schwer-Orthopädie, also Prothesen, künstliche Arme und Beine) einer der jüngsten Oberfeldwebel der Deutschen Luftwaffe geworden war, - als geborener Techniker spezialisierte er sich als Flugzeugwart im Kriegseinsatz auf Me-110 Zerstörerflugzeuge und Me-109 Jagdflugzeuge, welche damals - auch für das technische Personal - immer recht gefährliche und respekteinflößende Maschinen waren, zumal schon die Luftfahrt an sich auch durch immer mögliches technisches Versagen gefährlich und abenteuerlich war. An den meisten Fronten des II. Weltkrieges war er bei den "schwarzen Männern" der Luftwaffe, den Technikern, am Boden eingesetzt (mußte allerdings neu zugeführte und selber reparierte Maschinen einfliegen und probefliegen), und nur gegen Kriegsende flog er selber Kampfeinsätze und bildete schließlich Flieger für die Jagd und für die hochgefährlichen Rammjäger-Einsätze (mit eher sehr geringer Überlebenswahrscheinlichkeit) aus, bis er sich schließlich beim Rückzug der 'untergehenden' Deutschen Wehrmacht durch Ungarn absetzte und dann durch die Tschechei schlug.
Jedenfalls lernten sich die beiden ein paar Jahre nach Kriegsende kennen und heirateten bald. Eine seltsame Kombination: Er ein überzeugter Nationalsozialist und Hitlerist bis zu seinem Tod, - sie Jüdin und fanatische Adventistin.
Nur durch ihre geduldige Arbeit mit ihm, und durch ihr Mut-Machen schaffte er in der jungen DDR seine Prüfungen zum Orthopädiemechaniker-Meister.
Beiden sagte die DDR jedoch nicht zu, so daß sie unter abenteuerlichen Umständen samt Kindern in den Westen flüchteten, nachdem er zuvor schon im Flüchtlingsschmuggel des Grenzgebietes BRD-DDR tätig gewesen war: 1953, an dem Tag, an dem Stalin (unter sehr unklaren Umständen) verstarb, und der das Signal für Aufstandsbewegungen im Ost-Block und in der DDR gab, flüchtete sie mit den Kindern. Er war voraus "geflüchtet" und versuchte, im Westen Fuß zu fassen, - sie fuhr einfach mit den Kindern in einem Personenzug über die sowjetisch bewachte Grenze, was nicht "ohne" war, denn von Kontrollen war sicher auszugehen. Und so kam es auch: ein aktzentfrei deutschsprechender Herr setzte sich unvermittelt zu ihr und den Kindern, und fragte sie diskret nach ihren "Absichten", die nur im Verlassen der sowjetisch besetzten Zone, der DDR liegen konnten, was sie auch vorsichtig "eingestand". Wäre es zu einer Verhaftung bei unerlaubten Grenzübertritt gekommen ... hätten ernste Konsequenzen gedroht ... Sie erzählte ihm von ihrem bereits geflüchteten Mann, der schon im Westen war.
Sowjetische Soldaten kamen kontrollierend den Gang entlang, als der Herr denen auf Russisch ein paar Worte zurief, woraufhin sie einfach ohne sie und die Kinder zu kontrollieren weitergingen. Dann verabschiedete er sich freundlich.
Im Westen betrieb das Ehepaar bald leitend eine Orthopädische Werkstatt samt Gesellen und Lehrlingen, und in der Nachkriegszeit mit ihren vielen Kriegsversehrten gab es Arbeit genug. Sogar aus dem Ausland kamen Leute zu dieser Werkstatt und ließen sich Prothesen anfertigen.
Beide sind unter unschönen Umständen und im Zwist mit ihren Kindern in den 90er Jahren verstorben. Sie fanden in Deutschland beide irgendwie keine Heimat mehr, und konnten sich nirgends auf Dauer anfreunden. Glücklich sind sie nicht geworden, und ihr Leben war eher nur Arbeit.
Aber was sie alles konnten ... Beachtlich. Und beide, ohne eine höhere Schule besucht zu haben. Und das sagt mir doch, daß man heute eigentlich sehr gut daran täte, auf die Schulbildung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen zu achten - statt auf eine lebensferne Ganztagsunterbringung und Verwaltung der jungen Leut'chen, wie sie schon mir zuteil wurde.

:10hallo2:

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 21.06.2015 10:10 
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Vor bestimmt bald an die 10 Jahren unterhielt ich mich mit einer Cousine von mir (damals Mitte 30) über "Rechtsextremismus" in Deutschland; ein Thema, das sie seit der Schulzeit immer sehr berührte und ihr scheinbar Angst machte. Dabei kam ich auf Rüdiger Nehberg, den "Mister Sir Vival" des Überlebenstrainings und seine Aktivitäten zum Schutz der Yanomami-Indianer am Amazonas-Fluß in Brasilien zu sprechen. Ich meinte, daß seine Aktivitäten akzeptabel und unterstützenswert seien, wenn es darum geht, die Ur-Einwohner dort vor internationaler Industrie und Großgrundbesitzern zu schützen, die scheinbar dabei waren, ihnen die Lebensgrundlagen zu zerstören. Aber wie stehe es denn eigentlich in dieser Hinsicht um die Deutschen, fragte ich? Genauer: Wer von den Leuten, die solche Initiativen wie die von Nehberg unterstützen, sei auch bereit, Deutsche zu schützen, wenn es ihnen persönlich und hart an den Kragen geht?
Meine Cousine erwiderte darauf wortwörtlich, und das habe ich mir gemerkt: "Es gibt in Deutschland nichts, was zu schützen wert wäre." Jahre später auf diesen Satz angesprochen, meinte sie, das habe sie niemals gesagt.

Über ihren Ex-Lebensgefährten, einen eher weichen, aber freundlichen, kumpelhaften Herrn mit schuldenfreiem Haus und Riesengarten und genug Platz für Kinder, sagte sie vor einem halben Jahrzehnt zu mir: "In der Beziehung muß ich die Hosen anhaben. Anders geht das nicht. Und der braucht das auch so."
Vor kurzem darauf hin von mir angesprochen, meinte sie wiederum, das mit den "Hosen anhaben" habe sie niemals gesagt. Wahrscheinlich höre ich Gespenster.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 13.02.2016 11:00 
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Heute Morgen fiel mir das ehemalige kleine Hündchen meiner Schwester ein. Bild
So sah es zu Lebzeiten aus. Eine kleine Cavalier King Charles Spaniel Hündin. Meine Schwester hatte sich etwas Edles leisten wollen und teuer für sie bezahlt. Und sie war wie es in Beschreibungen dieser Hunderasse typischerweise heißt: "unkompliziert, freundlich, ruhig und dennoch verspielt und aktiv, anhänglich, liebevoll und intelligent. [...] eignet sich sowohl als Familienhund mit Kindern, als auch für ältere Menschen, die Trost brauchen. Mit so einem Cavalier an der Seite, lässt es sich leicht mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Er ist absolut nicht streitsüchtig und verträgt sich mit jedem" [aus: https://pagewizz.com/kleine-hunderassen-kurzportrait/] Stimmte genau. Dazu kann man noch sagen, daß diese Hunde eher klein sind und maximal 34 Zentimeter Körperhöhe erreichen.
Als nun diese kleine Hundedame, Morgane genannt, in die Jahre gekommen war änderte sich das alles auch nicht: Sie blieb einfach lieb und brav und freundlich zu allen, wie sie immer gewesen war. Zwar wurde sie schwerhörig und konnte auch nicht mehr gut sehen, aber sonst ging es ihr gut.
Und doch: Eines Tages ging meine Schwester mit ihr in ihrer Kleinstadt auf dem Lande spazieren, und eine große Schäferhündin - also kein männliches Tier - stürzte sich unvermittelt wild bellend und beißend auf Morgane, und biß ihr den Bauch von der Vagina bis fast hoch hinauf zum Brustbein klaffend auf. Immerhin konnte meine Schwester die Attacke beenden und ihr Hündchen gleich zum Tierarzt schaffen. Dort ließ sie für teures Geld Morgane operieren, und sie überlebte auch noch für ein paar Monate, bis sie vermutlich in den Hundehimmel kam, lieb und brav wie sie immer gewesen war.
So viel zum Thema "lieb, brav und klein" für heute.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 01.03.2016 23:32 
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Heute habe ich eine hübsche Frau im Bus gesehen. So um die 45. Ich fuhr gerade vom Sport nach Hause. Der Bus war hier am Markt nur schwach mit Fahrgästen besetzt, so daß ich einen guten Überblick hatte. Da kamen zwei bärtige, maskulin wirkende Herren mit dunklem Teint einzeln herein. Das Gesicht der hübschen Lady verfinsterte sich urplötzlich, wie als wenn etwas ihr Mißfallen sehr stark erregte. Als die orientalisch wirkenden Männer Platz genommen hatten wich bald der "böse" Gesichtsausdruck wieder von ihr und sie sah wieder freundlich aus. Sie stieg dann bald an derselben Bushaltestelle aus wie ich. Ich habe sie dann kurz angesprochen und ihr meinen Eindruck geschildert, worauf mit russischem Akzent von ihr zurückkam: "Ach, das kann man vergessen". Ich gab ihr zu bedenken, daß sie sich bei so offen gezeigtem Mißfallen ganz schön in Schwierigkeiten bringen könne, allemal wenn sie in dieser Art vielleicht eine Gruppe recht reizbarer, problematischer Männer anschaue, auch wenn das mit der Reizbarkeit und Problemhaftigkeit auf die zwei Männer hier gerade nicht zutraf.
Ist es nicht schade, wie die Völkerfreundschaft und die Begeisterung für das Fremde und andere Kulturen leiden können, wenn man damit nicht verantwortungsvoll umgeht? Leicht geschieht es, daß die Leute gegeneinander aufgebracht werden, leicht entstehen Feindseligkeiten und Streit. Opfer der Politik ... Und gerade recht maskuline, ruhige Orientalen sind ja durchaus nicht die "Problempatienten", kommen aber halt als Männer ähnlich leicht in Verruf wie ihre "europäischen" Geschlechtsgenossen. Jedenfalls gab ich der sonst netten Dame zu verstehen, daß es besser sei, sich etwas mehr zu beherrschen, also insbesondere den Gesichtsausdruck. Ob so ein Tip was nützt?

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 08.09.2016 22:05 
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Vor langer Zeit unterhielt ich mich mit meinem schwarzafrikanischen Nachbarn Hassan aus Tanzania. Ich vermute, er ist jetzt schon gestorben, denn die Magengeschwüre kamen damals bei ihm einfach nicht zum Stillstand, so daß die Ärzte in der mittelgroßen Universitätsstadt ihm den Magen Stückchen für Stückchen herausschnippelten, was für ihn mit langen Zeiten im Bett im abgedunkelten Zimmer und mit unangenehmen Medikamenten verbunden war. Und dauerhaft nach Afrika zurück gehen ... konnte er irgendwie nicht. So geht es vielen ... Als ich von dort weg zog, stand es nicht gut um ihn, und ich mußte in für mich kritischer Lage fort, und wir verloren uns aus den Augen, und ich hatte böse Abenteuer zu erleben.
Hassan kam mit dem freien Westen nicht zurecht. Er hatte in New York, London und Paris gelebt und studiert, und vermutlich als er jünger war besonders die geneigten Mädchen dort, aber mit dem Studiumsabschluss hatte es nirgends geklappt, obwohl man nicht sagen konnte, daß er blöde war. Bildung, lesen, arbeiten am Schreibtisch, nachdenken, das waren alles nicht seine Lieblingsbeschäftigungen, und etwas Praktisches hatte er nicht gelernt, ausser vielleicht mit einigem Geld ausgestattet, Autos und große Stereo-Anlagen nach Dar-As-Salam überführen, um damit seine Sippe zu erfreuen. Dabei soll man nicht meinen, daß Schwarzafrikaner nicht zu geistiger Leistung und Disziplin in der Lage wären: Es gibt z.B. echte schwarze Mathematiker (sogar in der reinen Mathematik) und Ingenieure verschiedener Disziplinen auch in Schwarzafrika selbst ( von den an die Weiße Welt gewöhnten Leuten im "freien Westen" ganz zu schweigen ). Wenn auch nicht so riesig viel, denn Bildung ... soll man dem Volke immer in Maßen oder gleich gar nicht zukommen lassen, wenn man keine aufmüpfigen Bürger haben möchte ...
Hassan war ein etwas zwanghafter Gute-Laune-Versprüher, der einen, sofern es seine Lage erlaubte und sein Gesicht krankheitsbedingt nicht übermäßig schmerzverzerrt war, mit einem breiten Grinsen auf der Treppe des Studentenwohnheims abpaßte und einen in einen Small-Talk verstrickte. Seine Lieblings-Sportsendungen im Fernsehen zeigten überschwere Traktoren, die schwerste Gewichte durch Zug in Bewegung setzten, sie zogen, und bei geschickter Wahl von Gas und Gang vielleicht einen "Full Pull" produzierten, was ihn in echte kurze Begeisterung versetzen konnte. Traurig war, daß er nur wenige Leute aus Tanzania in Deutschland kannte, weil es eher weniger davon hier gab. Ein Freund von ihm verunglückte überdies damals auf einer entfernten Autobahn tödlich, und er mußte hinfahren um ihn zu identifizieren, wofür er sich von mir kurzfristig Geld lieh ( und leider nicht komplett zurückzahlte. Aber das sei ihm verziehen, so krank wie er nun mal war, und bald war ich ja auch weg von dort, und konnte das Geld nicht von ihm "eintreiben".)
Im Grunde konnten wir zwei nicht unbedingt sehr tiefschürfende Gespräche führen, und vielleicht waren wir beide auch eher etwas einfach gestrickt. Allerdings eines, was ich mir neben der angeblichen freundlichen Bekanntschaft seiner Familie mit der Familie des ehemaligen Regierungschefs Idi Amin von Uganda merkte, ist ein Satz, den er mit Heftigkeit mehrfach in unseren Unterhaltungen ausgesprochen hat, als wir auf das Leben in Tanzania zu sprechen kamen, denn da sagte er mir laut und wild, und fast wir ein Schrei: "Du kannst da nischt alleine leben, ohne Dein Familie! Ohne Dein Familie DU STIRBST!!" Das fällt mir immer ein, wenn ich an Hassan denke.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 30.09.2016 23:30 
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So habe ich es gehört: In den fünfziger Jahren und darüber hinaus ging ein Freund von mir in Baden-Württemberg zur Schule. In einer eher kleineren Stadt, die das volle Wirtschaftswunder der Jahre '53 bis '58 zu sprüren bekommen hatte. Dann war das eigentliche Wirtschaftwunder in Deutschland auch schon wieder vorbei gewesen: der industrielle und landwirtschaftliche Wiederaufstieg zu einem modernen Land. Und flugs waren Frankreich und England überholt. Konnte das wahr sein? So kurz nach dem zweiten Weltkrieg? So schnell? Ja, zack! Es war wahr. Seltsam, nicht wahr? Ja genau.
Damals gab es noch Vollbeschäftigung, und nicht weit von der eher provinziellen, verwaltenden Großstadt, herrschte in der eher kleineren Industrie-Stadt auf dem Lande Hochbetrieb. Von allen Seiten strömten die Menschenmassen frühmorgens der Stadt zu, um in den vielen Fabriken und Betrieben ihr Geld zu verdienen: In vielen Gerbereien, Schlossereien, Metallverarbeitenden Betrieben, natürlich den üblichen Handwerksbetrieben à la Schlossereien, Baufirmen, Zimmereien, Tischlereien & co, aber auch in Spinnereien, Walzwerken, und im Spezialmaschinenbau. Dort wurden "für international" Caterpillars gefertigt, die nach Australien und Nord-Amerika gingen. Sogar Hochfrequenztechnik und Mikroelektronik waren damals hier zuhause. Es war was los! - was man sich heute kaum noch vorstellen kann. Bahnhöfe und Trottoirs und die steilen Treppen strotzten frühmorgens vor Menschenmassen auf dem Weg zur Arbeit. Man mußte aufpassen, daß man sich nicht gegenseitig auf die Füße trat. Arbeitslosigkeit gab es damals eher nur für Leute, die keine Lust zu arbeiten hatten oder die faktisch invalide waren, also für vom Schicksal schwer geschlagene oder aber auch "zweifelhafte Existenzen" ... (gelobt seien die zweifelhaften Existenzen!) Auch Leute mit (kriegsbedingt) nur einem Arm oder (kriegsbedingt) nur einem Bein, oder im Extremfall ganz ohne beide Beine, fanden einen "Job". Es gab damals Leute, die (kriegsbedingt) ohne ihre beiden Beine mehrere Jahrzehnte überlebt haben, was vielen Leuten heut nicht mehr klar werden wird. Was für eine Zeit! Immer weniger eine Zeit für fragwürdige Existenzen. Eine vorzeiten fahrende Zigeunerfamilie lebte damals ganz in der Nähe in Zelten. Bei jedem Wetter. Die hatten nicht mal einen "Wohnwagen" wie man ihn heute kennt. Damals gab es noch keine "Plastik" für irgendwelche Luxus-Camping-Wagen oder sowas. Bald wurden die Zigeuner behördlich zur Räumung ihres Geländes und zum Umzug in ein neu gebautes Haus gezwungen. Die alte Zigeuner-Mutter verstarb kurz nach dem Umzug.

Klein und schwach wie er am Anfang war, und bald groß und stark, und oft ein brutaler Mensch in seinen 20ern und 30ern, und wiederum ein Mensch, der immer doch seine Mitmenschen verstehen wollte, hat sich mein Kumpel folgendes gemerkt, was sich damals in seinen ersten Schuljahren ereignet hat: Eines Tages, mitten im Unterricht der Grundschule, fiel der Blick des männlichen Lehrers auf einen männlichen Schüler, der wohl ziemlich seltsam dreingeschaut haben muß. Und der Lehrer fragte einfach den Jungen, was denn los sei. Und der kleine Junge sagte, scheinbar stark verstört und vor der ganzen Klasse hörbar: "Ich weiß nicht mehr wie meine Mutter aussieht ..."
Ohne zu zögern schickte der Lehrer den Jungen nach Hause und zu seiner Mutter. .

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben gegriffen
Ungelesener BeitragVerfasst: 15.10.2016 16:28 
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Und, fällt Euch nichts aus dem wirklichen Leben an wahren Geschichten ein? Habt Ihr nichts gesehen, nichts erlebt was zu erzählen wert wäre? Na?

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